Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.08.2015


Osttirol

Prägraten ehrt seinen

Dom-Bildhauer Josef Troyer

In seiner Heimatgemeinde gibt es von Josef Troyer nur einzelne Werke. Nun kam ein Kreuzweg dazu, der im Pfarrsaal regelmäßig zu sehen ist.

© BlassnigSohn Christian Troyer mit Maria Tabsi-Oberhauser, Erich Mair und Bürgermeister Anton Steiner (von links) am Tag der Vorstellung des Kreuzweges im renovierten Pfarrsaal.Foto: Blassnig



Von Christoph Blassnig

Prägraten – Die vierzehn relativ großen Kreuzweg-Stationen hat Josef Troyer, über Jahrzehnte Dom-Bildhauer zu St. Stephan in Wien, aus Prägratener Lärchenholz gefertigt. Die einzelnen Relieftafeln bestehen aus drei bis vier miteinander seitlich verleimten und zusätzlich rückseitig verbundenen Brettern, die geflammt und abgerieben wurden und ihre Holzmaserung deutlich zeigen. In diese Oberfläche hat der Prägratener Holzbildhauer durch Einkerbungen in Umrissen die Kreuzweg-Stationen gezeichnet. „Die Besonderheit ist, dass Josef Troyer diese Kerben mit acht bis neun Farben koloriert hat“, erklärt der Volkskunst-Sachverständige Erich Mair. „Es handelt sich um eine kunsthistorische Sensation, weil nicht oft sakrale Kunstwerke aus der Kirche heraus verschenkt werden. Prägraten kann stolz sein auf diesen Kulturschatz.“ Troyer sei einer der bedeutendsten Bildhauer Österreichs, und der bedeutendste Tirols gewesen. „Nicht umsonst hat man den im Krieg zerstörten Stephansdom in seine goldigen Hände gegeben“, so Mair. 1909 im Ortsteil Wallhorn geboren, verstarb Troyer 1998 und liegt in Prägraten begraben.

In seiner Heimatgemeinde sind nur wenige seiner Arbeiten zu sehen, so zum Beispiel der Auferstandene in der Friedhofskapelle und der heilige Antonius in Hinterbichl.

BM Anton Steiner suchte mit den Verantwortlichen nach einem würdigen Ort für den Kreuzweg und wurde im Pfarrsaal fündig. Die alten Vorhänge wurden entfernt, die Wände neu gestrichen, und vierzehn Richtleuchten installiert. „Der Kreuzweg soll hier regelmäßig zugänglich sein. Der Pfarrsaal soll wieder ein Ort werden, an dem sich die Pfarre und die Familie treffen“, hofft BM Steiner.

Den Anstoß zu der „Rettungskette“ gab der in Wien lebende, aus Osttirol stammende Lehrer Peter Unterweger. Über Stationen in Hainburg in Niederösterreich und Wiener Neustadt führte die Spurensuche ihn und den Kunstkenner Erich Mair zur ebenfalls aus Osttirol stammenden Maria Tabsi-Oberhauser, die in Schwechat seit 30 Jahren Flüchtlinge betreut. Die Herausgabe sei ihr nicht ganz leicht gefallen und auch dem Pfarrgemeinderat in Schwechat zu verdanken. Sie hatte gehört, dass sich Osttiroler für den mittlerweile eingelagerten Kreuzweg interessieren und eine Rückführung in den Geburtsort des Künstlers Josef Troyer wünschen. Die Tatsache, dass Prägraten auch Flüchtlinge aufgenommen hat, war für sie dann schließlich Auslöser, sich für die Rückführung einzusetzen. Mair und Unterweger haben die vierzehn Relieftafeln mit ihren privaten Pkw nach Prägraten überführt.

„Dieses Geschenk soll Prägraten weiter Mut machen, Menschen mit schweren Kreuzwegen aufzunehmen. Wenn man als Dank dafür vielleicht den Flüchtlingen etwas zukommen lässt, das wäre mir das Schönste!“, so Maria Tabsi-Oberhauser.