Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.08.2015


Gesellschaft

Der Friede geht uns alle an

Anlässlich 100 Jahre Erster Weltkrieg fand in Kartitsch eine Gedenkfeier statt.

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© Blassnig



Kartitsch – Kartitsch widmet sich heuer intensiv dem Erinnern an den Ersten Weltkrieg. Die Ausstellung „Pro Patria?!“ zählte bisher 1600 Besucher. Am Samstag lud man Vertreter beider Seiten der Grenze zu einer Gedenkfeier.

Die Schützenkompanien aus St. Justina, Kartitsch und Innichen waren aufmarschiert, dazu zahlreiche Abordnungen und politische Vertreter. Stellvertretend für alle Opfer, die in den Kriegsjahren ihr Leben lassen mussten, wurden im Gedenkgottesdienst die Namen der 46 im Ersten Weltkrieg umgekommenen Kartitscher und ihre Todesumstände genannt: vermisst an der russischen Front, zu Tode gekommen in italienischer Gefangenschaft, von einer Lawine getötet, an Spanischer Grippe oder durch ein Kriegsunglück im eigenen Ort verstorben.

„Die anfänglich große Begeisterung für den Krieg wich bald der Not und dem Elend des Krieges“, erinnerte Pater Reinhold Bodner in seiner Predigt daran, dass auch Mahnungen der Päpste ignoriert worden seien. „Mit dem Krieg ist nichts gewonnen, aber alles verloren.“ Es komme auf jeden Einzelnen an, damit Frieden gesichert sei.

BM Josef Außerlechner sagte, man verneige sich im Gedenken an die Opfer des Krieges in Ehrfurcht und Respekt. „Friede ist ein kostbares Gut. Erst nach zwei Weltkriegen haben wir alte Feindschaften begraben und leben heute seit siebzig Jahren friedlich in einem vereinten Europa. Nie wieder Krieg.“ Für die Provinz Belluno hielt Bürgermeister Marco Staunovo Polacco seine Rede in italienischer Sprache. Er mahnte zu Toleranz im Herzen und im Kopf.

Tirol habe im Ersten Weltkrieg einen hohen Blutzoll geleistet, meinte der Vertreter des Landes, LA Hermann Kuenz. „Und auch noch danach, als eine Grenze mitten durch das Land gezogen wurde.“ Der Landesteil Osttirol sei dadurch entstanden, und es habe Jahrzehnte gedauert, die Folgen der Teilung zu überwinden. Es sei richtig und notwendig, nach hundert Jahren an die Geschehnisse zu erinnern, so Kuenz. „Es gibt heute keine Soldaten mehr an der Grenze. Die einstige Frontlinie ist heute ein Friedensweg.“ Die EU habe ihre Hauptaufgabe, in Europa Frieden zu erhalten, mit Bravour gemeistert. Beschämend sei aber, dass es für die heutigen Kriegsflüchtlinge keine gemeinsame Lösung gebe.

Fritz Tiefenthaler, Kommandant der Tiroler Schützen, betonte, das Kriegsgedenken gehe nicht nur die Schützen, sondern alle an. „Der katastrophale Zerfall der engeren Heimat ist uns immer noch eine schmerzhafte und offene Wunde.“ Nach den Ansprachen legten die beiden Bürgermeister einen Kranz unter den Gedenktafeln der Opfer des Ersten Weltkrieges nieder. Pater Reinhold Bodne­r segnete das neue Gedenkkreuz für die gefallenen Standschützen, das zur südlichen Kirchenmauer getragen wurde. (bcp)