Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.10.2015


Gesellschaft

Druck im Saisongeschäft steigert Griff zu Drogen

In der Suchtberatung Tirol in Schwaz fanden im Vorjahr 110 Menschen Hilfe. Darunter etliche, die im Tourismus tätig sind.

© Volkmar Schulz / KeystoneSymbolfoto.



Von Angela Dähling

Schwaz – „30 bis 40 Prozent der Jugendlichen ab 15 Jahren haben laut groben Schätzungen Erfahrungen mit Cannabis“, lässt Birgit Keel, Geschäftsführerin der Suchtberatung Tirol, aufhorchen. Doch das sei kein Grund zur Beunruhigung. „Es handelt sich um ersten Probierkonsum, unter ein Prozent konsumieren dann regelmäßig“, weiß die Expertin, die mit ihren Kollegen diesen Herbst in verschiedenen Schulen über das Thema Sucht und illegale Drogen informiert. Um die Jugendlichen zu erreichen, ist die Suchtberatung inzwischen auch via Facebook und Whatsapp erreichbar.

82 Klienten wurden in der Suchtberatungsstelle in Schwaz von Sandra Fellerer im letzten Jahr betreut, hinzu kommen 28 Angehörige. Die Beratung ist anonym und kostenlos. „Oft sind es Angehörige, die zunächst den Kontakt zu uns aufnehmen. Denn Sucht hat mit Schuld und Scham zu tun und der Betroffene versucht sie daher zu verbergen“, weiß Fellerer. Es sei daher bereits als Erfolg zu werten, wenn der Kontakt zur Suchtberatung Tirol hergestellt wird und so gemeinsam versucht werden kann, unterschiedliche Ziele von der Drogenreduktion bis zur Abstinenz zu erreichen.

„Der respektvolle Umgang ist dabei wichtig, denn Sucht ist eine Krankheit und wir schauen, welche Therapieart für wen am idealsten ist“, sagt Fellerer. Die Ursache für die Sucht gelte es ebenso herauszufinden wie das, was bei dem Betroffenen auf gesunde Weise Glücksgefühle auslöse.

Die Betreuungszahlen seien tirolweit und auch im Bezirk Schwaz relativ konstant. „Im Bezirk Schwaz kommen durch den Tourismus und Saisonarbeiter viele illegale Substanzen zu uns“, weiß sie. Und im Tourismussaisongeschäft werde im Vergleich zu anderen Branchen auch häufiger zu Amphetaminen wie z. B. Speed gegriffen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern und dem Druck im Saisongeschäft standzuhalten. „Da werden tagsüber Aufputschmittel genommen und abends wird gekifft, um wieder runterzukommen“, schildert Fellerer.