Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.12.2015


Osttirol

Ein würdevoller

Abschied ohne Religion

Die Lienzerin Elisabeth Ziegler-Duregger gestaltet Trauerfeiern für konfessionslose Osttiroler. Musik ist tröstender als jedes Wort, sagt sie.

Der Schmerz, dass jemand nicht mehr da ist, ist für Gläubige und Ungläubige gleich groß.

© iStockDer Schmerz, dass jemand nicht mehr da ist, ist für Gläubige und Ungläubige gleich groß.



Von Claudia Funder

Lienz – Besonders viele Osttiroler sind heuer im Vergleich zu vergangenen Jahren gestorben – bis Anfang Dezember waren es bereits rund 500. Die allermeisten Verstorbenen im Bezirk werden im Rahmen eines kirchlichen Begräbnisses beigesetzt.

Würdig Abschied nehmen von einem geliebten Menschen – das ist aber auch der Wunsch jener Angehörigen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören oder sich der Kirche nicht nahe fühlen.

Elisabeth Ziegler-Duregger aus Lienz, die vom Bestatter kontaktiert wird, gestaltet für diese Hinterbliebenen auf Wunsch Abschiedszeremonien – ohne religiöse, aber mit sehr tröstenden Elementen.

„Ich melde mich bei der Familie und wir vereinbaren ein Gespräch“, erzählt die 60-Jährige. Für die individuelle Gestaltung der Trauerfeier macht sie sich im Austausch mit den Hinterbliebenen ein persönliches Bild vom Verstorbenen, notiert seine wichtigsten Lebensstationen und Eigenschaften, die dann in ihre Trauerrede einfließen. An einfühlsamen Worten dazu wird in der Folge stundenlang gefeilt, „oft in meiner Almhütte am Hochstein“, verrät die Pensionistin, die jahrzehntelang die Lienzer Bücherei leitete. „Am Berg entstehen viele meiner Texte.“

Einen wichtigen Part der konfessionslosen Trauerfeier nimmt die Musik ein. „Sie tröstet noch mehr als Worte“, weiß Ziegler-Duregger. Bekannte Trauermärsche seien oft zu düster. Von Musikern dargeboten werden deshalb vielmehr Klänge, die der Verstorbene besonders mochte. „Bei der Bestattung eines Jugendlichen wurde auch schon einmal ein Rap gespielt“, erinnert sich die Gestalterin der eindrucksvollen Zeremonien.

Auf religiöse Elemente wird verzichtet, Kerzen werden dennoch angezündet. „Sie symbolisieren Licht und Wärme“, so Ziegler-Duregger. Und es gibt auch Sterbebildchen, ohne religiöse Motive, aber häufig mit Bildern von Orten, an denen sich der Verstorbene gern aufhielt.

Auch bei konfessionslosen Menschen ist das Bedürfnis nach Ritualen groß. Diese werden ebenfalls „maßgeschneidert“. „Eine Verstorbene etwa wollte ihr Lebtag lang Gärtnerin werden, konnte es aber nicht“, erinnert sich Ziegler-Duregger. „Ich verteilte bei der Trauerfeier Bohnen, von denen jeder der Hinterbliebenen eine mit nach Hause nahm, sie in Erde setzte und beim Wachsen der Pflanze an die Verstorbene denken konnte.“ Manchmal werden bei der Trauerfeier Rosenblätter gestreut, häufig wird etwas Persönliches in die Urnennische gelegt. „Viele haben das Bedürfnis, dem Toten etwas mitzugeben, als Symbol ihrer Liebe“, so Ziegler-Duregger, die schon als Jugendliche Trauernde begleitete. „Ich betrachte es als Geschenk“, sagt sie. „Jeder Verstorbene gibt mir einen eigenen Blickwinkel auf den Tod, der meine Wertschätzung auf das Leben stärkt. Je mehr ich mich mit dem Tod beschäftige, desto intensiver wird mir die Kostbarkeit jedes Tages bewusst.“