Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.12.2015


Osttirol

Ein Stück Heimat an der Wand

Die rührigen „Deferegger Weibischen“ leisteten auch heuer ganze Arbeit. Für den Heimatkalender wurde wieder viel Altes und Verlorengeglaubtes gesammelt. Der facettenreiche Jahresbegleiter wird einmal mehr in alle Welt verschickt.

Die Auswahl der Fotos für den Kalender ist nie leicht. Für jede der zwölf Bildseiten wird eine stimmige Aufnahme gesucht, die auch zum jeweiligen Monat passt – und immer gefunden. Dieses Bild zeigt die Heuernte in St. Jakob/Tegisch im Juli 1947.

© Heimat DefereggenDie Auswahl der Fotos für den Kalender ist nie leicht. Für jede der zwölf Bildseiten wird eine stimmige Aufnahme gesucht, die auch zum jeweiligen Monat passt – und immer gefunden. Dieses Bild zeigt die Heuernte in St. Jakob/Tegisch im Juli 1947.



Von Claudia Funder

St. Veit i. Def. – Geht das Jahr zu Ende, scheinen sie allerorts wieder wie Schwammerl aus dem Boden zu wachsen, die neuen Kalender. An einem besonders hübschen, mit viel Feingefühl erstellten Exemplar wird Jahr für Jahr in Osttirol gebastelt. Und im Vorfeld in etlichen Schubladen, Schuhschachteln, Kellern und Dachböden gestöbert.

Der Deferegger Heimatkalender im A3-Format besticht nicht nur durch zwölf nostalgische Schwarz-Weiß-Fotos mit Motiven aus dem Tal, er ist auch mit ebenso vielen Zusatzseiten bestückt. Diese liefern Geschichte und G’schichtln, aber auch naturkundliche Beiträge, Rezepte, Anekdoten aus dem Defereggen und Sprüche im Dialekt. Es ist einer jener Kalender, die man immer wieder gern von der Wand nimmt, um darin zu blättern. Und dem der Volkskundler Wolfgang Pfaundler attestierte, der schönste Kalender in Österreich zu sein.

Kontakt

Ottilie Stemberger, Kalendermacherteam

Fax: +43 4879/312-8
Mobiltelefon: +43 664/441 28 11
heimat-defereggen@aon.at

Jetzt liegt die mittlerweile 17. Auflage versandfertig auf dem Tisch. Und eines ist sicher: Der Kalender wird auch 2016 nicht nur in Osttiroler Wohn- und Bauernhäusern hängen, sondern auch viele Wände in aller Welt schmücken. Die Zahl der Bestellungen von Gästen und auswärtigen Interessierten mit Deferegger Wurzeln ist groß, der Kalender längst begehrtes Sammlerstück. Die Hälfte der erschienenen Auflagen ist vergriffen, von den anderen gibt es nur noch Restexemplare. Mit etwas Glück wird man im Internet fündig.

Der Startschuss für den ersten Jahresbegleiter fiel 1999 nach einer Ausstellung im Matreier Kessler Stadel, für die über Frauen in den Hohen Tauern Beiträge und Fotos geliefert worden waren. Ottilie Stemberger aus St. Veit in Defereggen fand es schade, dass die Schau vorbei war, und hatte die Idee, mit gleichgesinnten Frauen Bilder in einen Kalender zu packen. Das Erstlingswerk der „Deferegger Weibischen“ erschien – unter ebendiesem Titel – im Jahr 2000. Auch die aufwändig gestalteten Zusatzblätter gab es bei der Premiere bereits.

Das positive Echo motivierte zum Weitermachen, erzählt Stemberger im Gespräch mit der TT. Und so machten sich die Frauen weiterhin auf, aus dem Fotoschatz alter Deferegger und der „Forschtgiehner“ Raritäten für den Deferegger Heimatkalender, wie er fortan hieß, zusammenzutragen.

Zwei Jahre später wurde der „Kulturverein Heimat Defereggen“ ins Leben gerufen, dessen Obmann der St. Veiter Bürgermeister Vitus Monitzer ist. Ein fünfköpfiges Kernteam arbeitet besonders engagiert an dem Kalender. „Im Jänner beginnen wir bereits wieder“, erzählt Ottilie Stemberger, unermüdlicher Motor des Vorhabens und Vereins-Kassier. „Im Herbst ist die intensive Zeit.“

Was sie antreibt, den Aufwand immer wieder auf sich zu nehmen? „Man muss den Virus haben“, lacht sie.

Die drei Gemeinden des Tales wechseln sich beim Titelbild ab, heuer kommt es aus Hopfgarten. Für die Kalenderblätter werden aus jeder Gemeinde genau vier Fotos verwendet. Da sei man konsequent, so Stemberger.

Und weil vielen etwas Liebgewonnenes fehlen würde, wenn es den Kalender plötzlich nicht mehr geben würde, werden sie sich wohl schon in wenigen Wochen wieder auf die Suche begeben, die Deferegger Weibischen.

Albert Walder vulgo Gasser in Moos, rasant per Zweirad unterwegs (1955, Kalenderblatt April).
Albert Walder vulgo Gasser in Moos, rasant per Zweirad unterwegs (1955, Kalenderblatt April).
- Heimat Defereggen
Albert Walder vulgo Gasser in Moos, rasant per Zweirad unterwegs (1955, Kalenderblatt April).
Eine Rodelpartie in St. Veit/Mellitz (1960, Kalenderblatt Jänner).
- Heimat Defereggen