Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Geschichten zum Advent

Ein Schritt ins Berufsleben

Im Gemeindeamt von Uderns beweist eine Klientin der örtlichen Caritas-Tagesstätte für Menschen mit Behinderung viel Engagement, von dem alle Beteiligten profitieren.

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© Caritas



Uderns – „Ich bin gerne hier“, sagt Petra Brandacher und meint die Caritas-Tagesstätte für Menschen mit Behinderung in Uderns im Zillertal. Seit gut 18 Jahren besucht die 32-Jährige die Einrichtung. Sie kümmert sich um die Blumen in ihrem Stockwerk, näht sehr gerne Dinkelkissen und macht seit Jahren verlässlich die Mittagessen-Bestellung fürs ganze Haus. Aber auch das Arbeiten am Computer macht ihr großen Spaß. Mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, der alle 14 Tage ins Haus gekommen ist, hat sie am PC geübt. Seit einigen Monaten hat Petra Brand­acher aber eine weitere Aufgabe: Im Gemeindeamt von Uderns hat sie einen Schritt in die Berufswelt gewagt.

Alle zwei Wochen für eineinhalb Stunden kommt sie an ihren neuen Arbeitsplatz. Dort gilt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Bürotätigkeiten zu erledigen. „Ich kopiere, verschicke Einladungen und arbeite am Computer“, erzählt Petra Brandacher.

Amtsleiter Josef Bucher ist jedenfalls mehr als zufrieden mit seiner neuen Mitarbeiterin: „Sie arbeitet mit sehr viel Freude und Interesse und fragt nach, wenn ihr etwas nicht klar ist. Sie ist sehr talentiert am Computer, bearbeitet Statistiken, schreibt Mails, nimmt Telefonate an und leitet sie weiter.“ Vor allem von der Gewissenhaftigkeit, die sie an den Tag legt, ist Josef Bucher beeindruckt: „Petra ist sehr genau bei der Arbeit. Diese Eigenschaft kann man sich bei einer Mitarbeiterin nur wünschen.“

Der Motivation von Petra Brandacher, möglichst viel Neues zu lernen und die unterschiedlichsten Dinge auszuprobieren, versucht das Team im Gemeindeamt, so gut es geht, gerecht zu werden. „Sie macht bei uns viele verschiedene Tätigkeiten und meistens vergeht die Zeit für sie und für uns wie im Flug“, berichtet der Amtsleiter. Als reines Beschäftigungsprojekt oder Jobtraining für die Klientin der Tagesstätte will Bucher die Initiative nicht sehen. Schließlich würden beide Seiten profitieren, die 32-Jährige sei im Gemeindeamt eine große Unterstützung. „Alles, was sie macht, entlastet uns und hilft uns sehr“, freut sich Bucher über das Engagement von Petra Brandacher.

Sie ist übrigens nicht die einzige Person aus der Tagesstätte, die den Fuß in die Arbeitswelt setzt. Ein Klient arbeitet im Gemeindekindergarten in Uderns, einer im Café im Franziskusheim in Fügen, eine junge Frau in einem Hotel in Uderns und eine bei einem Lebensmittelgeschäft in Uderns. (TT, np)