Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Außerfern

„Man soll Zeit schenken, nicht Zeug“

Die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit im Bezirk ist groß. Heuer lautete der Schwerpunkt Asyl. Im nächsten Jahr liegt der Fokus beim Thema Jugend, die vermehrt für die Freiwilligenarbeit gewonnen werden soll.

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© Tschol



Von Simone Tschol

Reutte – Vor knapp einem Jahr hat das Freiwilligenzentrum Außerfern, das direkt an die Regionalentwicklung (REA) angeschlossen ist und vom Land finanziert wird, seine Arbeit aufgenommen. Es dient vor allem als Drehscheibe zwischen jenen, die sich in ihrer Freizeit engagieren wollen, und jenen, die Hilfe brauchen. „Die Freiwilligenarbeit und das Ehrenamt sind für Einrichtungen und Kommunen unverzichtbar“, weiß der Reuttener Bürgermeister und REA-Obmann Alois Oberer aus der Praxis und belegt dies auch mit eindrucksvollem Zahlenmaterial: „Tirol liegt, was die Freiwilligenarbeit anbelangt, im Bundesländervergleich hinter Nieder­österreich auf Platz zwei. 48 Prozent aller Österreicher über 15 Jahren sind ehrenamtlich tätig. Sie leisten pro Jahr 720 Millionen unentgeltliche Arbeitsstunden. Wenn man das umrechnet, wären dafür 420.000 Vollzeitkräfte anzustellen. Das wäre für Organisationen und Kommunen nicht finanzierbar.“ Genaue Zahlen für den Bezirk habe er nicht, meint Oberer, der sich aber sicher ist, dass der Bezirk im Tirolschnitt liegt.

Heuer lag der Schwerpunkt der Freiwilligenzentren landesweit beim Thema Asyl, wie die Außerferner Koordinatorin Michaela Perktold erzählt. 57 Personen hätten sie in diesem Jahr kontaktiert. „45 davon arbeiten im Asylbereich mit, die anderen zwölf hätten sich für ander­e Gebiete entschieden. 75 Prozent sind Frauen, 25 Prozent Männer. Aufgeschlüsselt nach dem Alter bilden die 41- bis 60-Jährigen die stärkste Gruppe“, weiß Perktold. Und REA-Obmann Oberer schickt hinterher: „Jene, die sich im Freiwilligenzentrum melden, sind ja nur ein Bruchteil. Feuer­wehren, Rettung, auch die Kirche würden ohne Freiwillige gar nicht funktionieren. Ich freue mich, dass sich die Leute so einsetzen. Mein Appell zu Weihnachten lautet daher: Man soll Zeit schenke­n, nicht Zeug!“

Flüchtlingskoordinator Nick Rea unterstreicht die Bedeutung: „Wir haben durch die Freiwilligen massiv gewonnen. Ohne sie wäre die Arbeit an den 15 Standorten, an denen im Bezirk Asylwerbe­r untergebracht sind, nicht zu schaffen.“

Allgemein nehme die Bereitschaft zur Freiwilligen­arbeit jedoch eher ab als zu. Im kommenden Jahr wird daher der Schwerpunkt beim Thema Jugend liegen. Zentrales Ziel ist es, junge Leute für die Freiwilligenarbeit zu gewinnen. Perktold: „Sie sind offen und neugierig. Sie bringen neue Energie mit und sehen Dinge oft ganz anders.“ Daher werde man 2016 den Kontakt zu den Schulen forcieren. Perktold: „Jugendliche wollen direkt angesprochen werden – so nach dem Motto ,Ich würde ja, aber mich fragt keiner‘ – und sie wollen gesehen werden, wenn sie sich engagieren.“

Oberer lässt die Jugend schon jetzt wissen: „Ehrenamtliche sorgen für einen positiven Klimawandel. Und Freiwilligenarbeit ist cool. Außer­dem macht sich solch ein Engagement auch im Lebenslauf sehr gut, denn immer mehr Arbeitgeber legen Wert auf Kompetenzen, die auch in der Freiwilligenarbeit wichtig sind, wie zum Beispiel Einsatz, aber auch Loyalität.“