Letztes Update am Sa, 12.12.2015 13:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Terrorangst überschattet Jubiläumsjahr: Wenige Pilger in Rom

Nur 250.000 Pilger durchschritten seit Dienstag die Heilige Pforte. Im Jahr 2000 waren es im selben Zeitraum 1,5 Millionen.

Papst Franziskus öffnete am Dienstag die Heilige Pforte.

© REUTERSPapst Franziskus öffnete am Dienstag die Heilige Pforte.



Vatikanstadt – Die Terrorangst wirft einen düsteren Schatten auf den Beginn des Jubiläumsjahres, das Papst Franziskus am Dienstag feierlich eröffnet hat. Die Zahl der Pilger und Gläubigen in der Ewigen Stadt liegt deutlich unter den Erwartungen.

Lediglich 250.000 Personen durchschritten seit Dienstag die Heilige Pforte im Petersdom, die nur an Heiligen Jahren geöffnet wird. Zum Vergleich: Beim letzten Jubiläumsjahr 2000 waren es im selben Zeitraum 1,5 Millionen. An der Mittwochaudienz, der ersten nach Beginn des Jubiläumsjahres der Barmherzigkeit, haben sich lediglich 15.000 Pilger beteiligt. Zu den Audienzen Franziskus‘ waren bisher durchschnittlich über 40.000 Menschen geströmt.

„Jubeljahr der Barmherzigkeit“

Der Papst hatte am Dienstag nach einer besinnlichen Messe die Heilige Pforte im Petersdom aufgestoßen und damit das „Jubeljahr der Barmherzigkeit“ eröffnet. Zur Zeremonie pilgerten 50.000 Menschen, der Vatikan hatte mit doppelt so vielen gerechnet. Die auffallend niedrige Zahl von Gläubigen könnte laut Experten nicht nur mit Terrorangst zusammenhängen. Zum ersten Mal überhaupt wird das Jubeljahr weltweit gefeiert. In allen Bistümern werden auf Wunsch des Papstes diesmal Heilige Pforten geöffnet. Das bedeutet, dass auch Gläubige, die sich keine Reise nach Rom gönnen können, am religiösen Erlebnis teilnehmen können.

Zwei Millionen Italiener verzichteten aus Angst vor Terroranschlägen auf eine Reise in die Ewige Stadt zum Jubiläum, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ixe. 30 Prozent der Zimmer waren diese Woche in den Hotels noch frei. Mit Rabatten von bis zu 38 Prozent versuchen die Hotels noch, Last-Minute-Kunden zu gewinnen. Die Hoffnung ist, dass zumindest über die Weihnachtsfeiertage der Tourismusstrom wieder zunehmen wird.

Der Vatikan gab zu, dass das Jubiläumsjahr mit gedämpften Tönen begonnen habe. „Es ist aber verfrüht, über Zahlen zu sprechen. Es ist logisch, dass die dramatischen Ereignisse in Paris Angst geschürt haben. Doch wie der Papst sagt, darf man sich nicht von Angst beeinflussen lassen“, betonte der römische Kardinalvikar Agostino Vallini.

„Jedes Heilige Jahr ist anders“

Vergleiche mit dem von Papst Johannes Paul II. eröffneten Jubiläumsjahr 2000 seien nicht möglich. „Jedes Heilige Jahr ist anders. Das Jubiläumsjahr 2000 hatte mit großen religiösen Feierlichkeiten in Rom und im Vatikan die Kirche ins dritte Jahrtausend geführt. „Dieses ‚Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit‘ wird in allen Diözesen der Welt gefeiert“, sagte Vallini.

Am Sonntag werden erstmals in der Geschichte der Jubeljahre die Heiligen Pforten aller Kathedralen weltweit am selben Tag geöffnet. Franziskus wird an diesem Tag diejenige der Lateranbasilika aufstoßen, seiner eigentlichen Bischofskirche als Bischof von Rom, sowie jene der Basilika von Sankt Paul außerhalb der Mauern. Zu diesem Anlass werden mehrere Pilger erwartet. Auch in diesem Fall dürfte es sich jedoch laut Insidern nicht um große Menschenmengen handeln. (APA)