Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.01.2016


Fasnacht

Das Schemenlaufen als Großevent in Imst

Auch wenn das morgige Schemenlaufen Mystik versprüht: Unter der glamourösen Oberfläche verbirgt sich monatelange Knochenarbeit vieler Helfer. Die „Großveranstaltung“ laut Gesetz ist genau reglementiert.

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© Daum



Von Hubert Daum

Imst – Wenn zum morgigen Schemenlaufen eine zweistellige Tausendschaft nach Imst pilgert, um die unvergleichliche Mystik der 140 Roller und Scheller, der 178 Spritzer, der 168 Sackner, der 72 Hexen, der 40 Bären und der 278 übrigen Masken zu erleben, dann ist die glamouröse Spitze des Eisberges sichtbar. Der Körper unter der Oberfläche ist bekanntlich wesentlich größer: Die organisatorische Vorbereitungsarbeit für diesen einen Tag ist gigantisch.

Rein gesetzlich ist das Schemenlaufen mit über 1500 Besuchern eine Großveranstaltung. Das bedeutet, dass ein Sicherheitskonzept nötig ist. „In monatelanger Arbeit haben wir gemeinsam mit den Blaulichtorganisationen ein 50-seitiges Sicherheitskonzept gestaltet“, berichtet das zuständige Komiteemitglied Hannes Deutschmann, „darin enthalten sind beispielsweise Pläne aller Fluchtwege.“ Ein Notarzt und vier mobile Rettungsteams bestehend aus zwölf Rot-Kreuz-Mitarbeitern sorgen für kurze Wege in einem gesundheitlichen Akutfall. 22 Polizisten sorgen für die Sicherheit, 35 Mitglieder der Feuerwehr stehen für einen eventuellen Einsatz und für den Verkehrsdienst zur Verfügung. Das Konzept beschäftigt sich ausführlich mit der Sicherheit der sieben Fasnachtswägen. Ein Sachverständiger überprüfte die technische Grundausstattung, ein Bautagebuch in Wort und Bild musste bis zur Endabnahme geführt werden.

„Ohne Haftpflichtversicherung dürften wir nicht in die Fasnacht gehen“, führt Ulrich Gstrein, Rechtsanwalt und Obmann des Schemenlaufens, weiter aus, „es war schwierig, wir fanden nur eine einzige Gesellschaft, die bereit ist, das Risiko abzusichern. Darüber hinaus sind die rund 950 Aktiven zusätzlich durch eine Unfallversicherung abgesichert.“

Ein großes Thema ist die Verköstigung. Vor den ersehnten Mittagsglocken gibt es für die Masken beim „Bonter“ die traditionelle Sternchensuppe mit Würstel. In der Pause um ca. 14.30 Uhr geht es ab über die eigens errichtete Fasnachtsbrücke in die Tiefgarage der Stadtwerke. Das Rote Kreuz gibt hier rund 1500 Paar Würstel mit Semmel aus. Alles von den heimischen Betrieben, auch die 3300 Brezen, die bei den Einführkassen benötigt werden. Aber auch die „Außenstellen“ wie Einsatzkräfte oder Eintrittskassierer (50) plagen Hunger und Durst. Diese werden von einem mobilen Team der Feuerwehr versorgt.

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„Ohne Gemeindebauhof und Stadtwerke ginge nichts“, betont der Obmann die Wichtigkeit beider. Die Arbeiter erledigen Tribünenbau, Straßenpflege, die Aufstellung der Verkehrszeichen für das Verkehrsleitsystem, machen die Plätze frei, schneiden Bäume zurück und drehen sogar die Straßenbeleuchtung um 180 Grad. Nikolaus Larcher: „Die Stadtwerke installieren für die Wägen am Stadtplatz eigene Baustromverteiler von bis zu 25 kW pro Wagen.“

Auch das Verkehrsleitsystem musste in Zusammenarbeit mit dem VVT organisiert werden: Im Halbstundentakt bringt der Shuttlebus die Besucher von den Parkplätzen am Stadtrand zur Ausfahrt Imst-Mitte. Gäste, die mit dem Zug kommen, werden ab 9 Uhr gratis mit den Bussen zum Postplatz gebracht. Alle ankommenden Züge werden abgedeckt. Die Heimfahrt nach Nassereith ist unter Vorlage des Eintrittstickets ebenfalls kostenlos.