Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.03.2016


Außerfern

Syrischer Bub entdeckt Leidenschaft für Skisport

Flüchtlingsjunge Frhand aus Gramais lernte von den einheimischen Kindern das Skifahren und feierte jetzt seinen ersten Stockerlplatz.

Während der Fanclub mit Vater Issa, Mutter Samiha und dem jüngsten Spross der Familie, dem kleinen Jehat, im Ziel wartete,...

© Werner FriedleWährend der Fanclub mit Vater Issa, Mutter Samiha und dem jüngsten Spross der Familie, dem kleinen Jehat, im Ziel wartete,...



Von Simone Tschol

Gramais – Selb, Perle, Burtscher, Wolf – wer im Außerfern diese Familiennamen hört, schließt unweigerlich auf die Lechtalgemeinde Häselgehr. So ist es auch kein Wunder, dass sie sich wie eine Perlenkette auf der Ergebnisliste der diesjährigen Vereinsmeisterschaft Ski alpin des SV Häselgehr aneinanderreihen. Doch halt! In der Klasse U9-U10 männlich scheint Abdulrahman auf. Druckfehler? Von wegen. Der älteste Sohn der in Gramais untergebrachten Flüchtlingsfamilie, Frhand Abulrahman, ist begeisterter Wintersportler. Skikurs brauchte er dafür keinen. „Das Skifahren haben ihm die Kinder aus Gramais beigebracht“, weiß Silvia Schöpf, Vizebürgermeisterin und Betreuerin der Familie. Auf die Frage, ob er nicht bei der Vereinsmeisterschaft (aufgrund der geringen Einwohnerzahl sind die Gramaiser Mitglied im SV Häselgehr, Anm. d. Red.) mitmachen wolle, fragte er erstmal, was das sei. „Als ich ihm erklärte, dass es ein Rennen ist, war sein Ehrgeiz geweckt und er war sofort ganz aufgeregt“, lacht Schöpf und fügt hinzu: „Er fährt schon ganz gut. Warum also nicht?“ Angespornt durch seinen älteren Bruder wollte auch der sechsjährige Ali mitmachen. Schöpf: „Er war schon ein wenig geknickt, dass wir ihn nicht an den Start gehen haben lassen. Aber das wäre noch zu gefährlich. Bei ihm machen die Ski noch, was sie wollen. Und man muss es ja nicht herausfordern.“

Frhand, ein sportliches Naturtalent, belegte in seiner Altersklasse mit einem Abstand von 6,7 Sekunden hinter Sieger Gabriel Singer und Adrian Friedle Rang drei. „Es ist zwar kein Vierter in der Klasse mitgefahren, aber das ist egal. Frhand war so stolz, als er seinen ersten Pokal überreicht bekam. Er hatte eine Riesengaudi“, freut sich Schöpf mit dem Neunjährigen.

Die sportlichen Gene dürfte Frhand von seinem Vater Issa geerbt haben. Dieser versucht derzeit, das lange Warten auf den Asylbescheid mit Sport zu überbrücken. „Wir hoffen, dass es möglichst schnell geht und er Arbeit findet. Es ist ihm unangenehm, Geld vom Staat zu bekommen. Er möchte das Familieneinkommen selbst erarbeiten“, erklärt Schöpf.

... analysierte Frhand (rechtes Bild, gelber Helm) – wie ein Profi – gleich nach dem Lauf seine Zeit.
... analysierte Frhand (rechtes Bild, gelber Helm) – wie ein Profi – gleich nach dem Lauf seine Zeit.
- Friedle Werner