Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.03.2016


Reutte

Niederschläge werden in Gramais akribisch festgehalten

An Gramais geht das Wetter nicht spurlos vorbei. Ein altes Messgerät kommt nun in die Wunderkammer nach Elbigenalp.

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Von Peter Friedle

Gramais, Elbigenalp – Jeden Morgen zwischen acht und neun Uhr geht Hildegard Seifert vor das Haus im Ortsteil Riefen Nr. 18 in Gramais auf 1320 Metern Seehöhe, um die Daten des Niederschlagsmessgerätes aufzuzeichnen – und das seit 1980. Diese Tätigkeit wurde zuvor von ihrem Vater, Arthur Wolf, und auch schon dessen Vorfahren ausgeübt. In Gramais befindet sich eine der ältesten Messstellen im Bezirk schon seit 1885 in Betrieb. Bis heute wird täglich die Niederschlagsmenge (im Winter auch die Höhe des neu gefallenen Schnees) akribisch aufgeschrieben und an den Hydrographischen Dienst des Landes Tirol in Innsbruck gemeldet. Dort bilden die Werte die Grundlage für Hochwasserwarnungen und Schutzmaßnahmen im Ernstfall.

Hildegard Seifert: „Ich mache diese Tätigkeit gerne. Nach dem Messen der Neuschneehöhe kommt das Auffanggerät in das warme Haus. Vom geschmolzenen Schnee wird dann die Wassermenge gemessen. Es ist immer spannend, die Daten mit den Vormonaten und Vorjahren zu vergleichen.“ So fielen im Februar 2016 87,5 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, die Höhe des gefallenen Neuschnees betrug 92 Zentimeter. Im langjährigen Schnitt ist das für diesen Wintermonat recht wenig.

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Ein zweites Messgerät hat dort auch der bayerische Hochwassernachrichtendienst in Kempten installiert.

Letztes Jahr entdeckte Hildegard Seifert am Dachboden ein Gerät, das sie nicht identifizieren konnte. Erst ihr Onkel stellte fest, dass es sich dabei um das historisch erste Messgerät handle. Sie dachte sofort an den Aufruf der Wunderkammer in Elbigenalp, Einzigartiges und Wundersames zur Verfügung zustellen. Mittlerweile ist das Instrument in der Wunderkammer zu bestaunen. Öffnungszeiten bis 2. April und ab 13. Mai, Mittwoch bis Samstag 10–12 und 14 bis 18 Uhr.