Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.04.2016


Tirol

Geierwally Hütte: Kleinod soll auferstehen

Die legendäre Hütte auf dem Hafelekar wird nachgebaut. Der Abriss sorgte für Verwirrung.

Die Geierwally Hütte war ein beliebtes Fotomotiv. Alle sind sich einig, dass sie ein filmgeschichtliches Kleinod war.

© FoissnerDie Geierwally Hütte war ein beliebtes Fotomotiv. Alle sind sich einig, dass sie ein filmgeschichtliches Kleinod war.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Manchmal finden einen Geschichten auf skurrilem Weg. Etwa wenn man Gästen die berühmte Geierwally-Hütte auf dem Hafelekar zeigen möchte und diese nicht mehr findet. Wenig später taucht dann in den sozialen Netzwerken ein Post auf, dass die Hütte abgebrannt sei. Diese Meldung landet alsbald auf der Website sagen.at, der Kulturplattform des Volkskundlers Wolfgang Morscher.

In einer Vielzahl von Kommentaren wird der Verlust der Hütte bedauert. Stets ist davon die Rede, dass diese ein Stück Innsbrucker Identität sei. Hobbyfotograf Wolf Lichenhauser hat die Hütte öfter fotografiert. Als er sie Mitte Dezember 2015 ablichten wollte, war die Hütte nicht mehr da. „Es hat nach Rauch gestunken und es waren verkohlte Materialien dort. Ich war mir sicher, dass die Hütte abgebrannt ist.“ Auf einen Stein sei gesprayt worden: „Beton 15.12.15“. Er sei verwundert darüber gewesen, dass nirgendwo etwas über das Schicksal der Hütte zu lesen war. Umfassende Recherchen der TT ergaben indes, dass die baufällige Hütte abgerissen wurde und originalgetreu wieder aufgebaut werden soll.

Andreas Wildauer, Leiter des Forstamtes der Stadt Innsbruck, kann die Geschichte entknoten: „Die Hütte war lange verpachtet. Sie war vermüllt und in einem sehr schlechten Zustand. 2014 haben wir die Pacht gekündigt und mit der Säuberung begonnen.“ Der Plan sei gewesen, die Hütte, sie besteht aus einer Holzkonstruktion mit einem Steinkranz, durch ein neues Holzgerippe zu stützen und die Außenfassade dranzubauen. Das sei aber unrealistisch gewesen, sagt auch der seit Kurzem zuständige Stadtrat Franz Xaver Gruber. „Das Holz war extrem morsch. Wenn man mit dem Schraubenzieher hineingefahren ist, war das weich wie Butter.“ Mit Kenntnis der Nordkettenbahnen, die seit Jahren auf die Bedeutung der Hütte für den Tourismus hinweisen, und dem Tourismusverband sei der Plan gereift, die Hütte abzureißen und originalgetreu wiederzuerrichten.

Ende November wurde mit den Abbauarbeiten begonnen. Parallel wurde die Hütte nachgebaut. Laut Gruber wurden die Arbeiten vom Forstamt erledigt. Für Material und Mietung der Arbeitshalle sind bisher Kosten von 7000 Euro aufgelaufen. Sobald der Schnee weg ist, soll die Konstruktion im Baukastensystem hinaufgeflogen werden. „Wie teuer der Flug kommt, hängt davon ab, ob wir uns an einen Auftrag anhängen können, oder separat Flüge beauftragen müssen“, erklärt Gruber. Jedenfalls sollen die Kosten überschaubar sein. Ein Gemeinderatsbeschluss sei nicht nötig, da die Beträge unter den Budgetposten „Sanierung von Hütten“ und in die Kompetenz des Forstamtes fallen. Gruber übermittelte der TT exklusiv Bilder, wie die Hütte aussehen wird. Nächste Woche soll eine Präsentation folgen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Aber was hat es nun mit dem Gerücht auf sich, die Hütte sei abgebrannt und warum gab es keine Informationen auf diversen Homepages, wie etwa jener der Nordkettenbahnen oder der Cine Tirol, wo die Hütte als Teil der Filmtour angepriesen wird?

„Vielleicht haben wir den Fehler gemacht zu glauben, dass in der toten Zeit kein Mensch im Hochgebirge unterwegs ist und daher nicht auffällt, dass die Hütte weg ist“, gesteht Wildauer zu. Bei den Abbauarbeiten sei der hinterste Teil der Hütte durch Funkenflug bei Flexarbeiten abgebrannt. Löschen sei unmöglich gewesen. Der Stein mit der Aufschrift „Beton 15.12.15“ erkläre sich dadurch, dass dies bereits die Fundamente für die neue Hütte sind, sie wird voraussichtlich im Juni vor Ort zusammengesetzt.

„Die Zukunft des Kleinodes konnte nur durch einen Neubau gewährleistet werden“, sagt Gruber. Es habe sich nur um eine behelfsmäßige Filmkulisse gehandelt. Der originalgetreue Nachbau sei Teil eines Gesamtkonzeptes: Drei Themen würden behandelt: der Adler, die Geschichte der Geierwally und die Bedeutung der Nordkette als Filmkulisse, sowie die Bergpioniere.

Für den Volkskundler Morscher ist das Vorgehen des Forstamtes indes ein Skandal. „Wenn die Hütte abgerissen wurde, um sie neu aufzubauen, stellt sich mir die Frage: Leben wir in Tirol mittlerweile im Disneyland?“ Laut Morscher ist nur die historische Hütte von Bedeutung. Das Argument, diese sei nicht sanierbar gewesen, lässt Morscher nicht gelten.

Eines ist indes klar: Die Geschichte rund um das Verschwinden der Hütte hat jedenfalls das Zeug zum Filmstoff.

Erste Aufnahmen der neuen Hütte.
Erste Aufnahmen der neuen Hütte.
- Stadt Innsbruck
Foto von der Hütte vor dem Abbruch. Das Schild „Geier Walli Hütte“ wurde aufbewahrt.
Foto von der Hütte vor dem Abbruch. Das Schild „Geier Walli Hütte“ wurde aufbewahrt.
- Stadt Innsbruck