Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.04.2016


Gesellschaft

232 Wintersportler landeten auf dem Operationstisch

Diesen Winter wurden an der Unfallchirurgie am BKH Reutte zwar weniger, dafür aber schwerere Verletzungen behandelt als im Vorjahr.

© BKH ReutteDas Team der Unfallchirurgie am BKH Reutte hatte zwar weniger verletzte Wintersportler zu behandeln, aber trotzdem alle Hände voll zu tun.Foto: BKH Reutte



Ehenbichl – Mit April endet die Wintersaison 2015/16. Die Bilanz der Abteilung für Unfallchirurgie am Bezirkskrankenhaus Reutte fällt ernüchternd aus: Weniger, dafür schwerere Sportunfälle prägten die Wintermonate. Knieverletzungen – speziel­l Kreuzbandrisse – sind ein­e der häufigsten Diagnosen. Das war in dieser Saison auch im Bezirkskrankenhaus Reutte deutlich zu spüren. „Wir haben an manchen Tagen bis zu vier Rupturen des vorderen Kreuzbandes operiert“, so OA Christian Druml, Facharzt an der Abteilung für Unfallchirurgie, „auch Tibia­kopffrakturen, also Brüche am oberen Ende des Schienbeins, haben in diesem Jahr zugenommen.“

Insgesamt wurden an der Abteilung für Unfallchirurgie des BKH Reutte von Dezember bis April 232 Personen mit Wintersportverletzungen behandelt. Das entspricht einem Rückgang von ziemlich genau 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zurückzuführen ist diese niedrigere Zahl vermutlich auf den späten Winterbeginn. Die häufigsten Verletzungen bildeten 2015/2016 Bänderrisse im Kniegelenk, Schienbeinkopffrakturen und Handgelenksbrüche. „Allgemein lässt sich sagen, dass wir in diesem Jahr zwar weniger, dafür aber schwerere Verletzungen behandelt haben“, so der Experte.

Mit den steigenden Temperaturen meldet sich nun der frühjährliche Bewegungsdrang bei vielen wieder zu Wort. Oberarzt Druml rät Profis wie Hobbysportlern jedoch, nach Unfallverletzungen die empfohlene Rehabilitationsfrist keinesfalls zu ignorieren und dem Körper seine Erholungszeit zu erlauben. „Vor allem operativ behandelte Kreuzbandrisse benötigen eine Pause von etwa einem Dreivierteljahr, manchmal auch länger“, weiß der Facharzt. Zum einen müssten sich Entzündungen und Schwellunge­n nach Operationen erst einmal wieder vollends zurückbilden. Zum anderen sei diese Zeitspanne nötig, damit das Knie seine ursprüngliche Belastungs­fähigkeit wiedererlange. Druml mahnt: „Wird das Gelenk zu früh wieder stärker beansprucht, ist das Risik­o für erneute Verletzungen und schwerwiegende Folge­schäden deutlich erhöht.“

Aber auch nach Ablauf der Rehabilitationsfrist sei die Sportart sorgsam zu wählen: „Jeder Sport stellt andere Anforderungen an Muskeln und Gelenke. Gerade Sportarten, die schnelle Richtungswechsel beinhalten – zum Beispiel Fußball, Handball oder Squash – sind mit Vorsicht zu genießen.“ Besser geeignet für einen sanften Wiedereinstieg seien Sportarten mit kontrollierbaren Bewegungsabläufen, wie etwa das Radfahren oder Schwimmen. (TT, fasi)