Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 15.05.2016


Energie Tirol

Zwei Gemeinden, eine Idee

Gemeinsame Kompostieranlage, gemeinsames Sozialzentrum: Warum es auch im Sinne der Energieeffizienz ist, wenn sich Gemeinden zusammentun, zeigen Kundl und Breitenbach.

Zeichnet sich durch Nachhaltigkeit aus, das "Mitanond" in Kundl/Breitenbach.

© RiggerZeichnet sich durch Nachhaltigkeit aus, das "Mitanond" in Kundl/Breitenbach.



Innsbruck – Die beiden Nachbargemeinden Kundl und Breitenbach sind ein gutes Beispiel dafür, dass „Mitanond“ vieles leichter geht. Bereits seit den Achtzigerjahren sind die vielfältigen Aufgaben in der ambulanten Pflege und Betreuung im Gesundheits- und Sozialsprengel Kundl/Breitenbach gebündelt.

Darüber hinaus haben die Dörfer immer wieder Möglichkeiten des Austausches und der Zusammenarbeit gefunden: Neben einem gemeinsamen Kompostierplatz, einer Einrichtung zur Kleinkinderbetreuung und einer Wertstoffsammelstelle teilen sich Kundl und Breitenbach seit dem vergangenen Jahr nun auch ein modernes Sozialzentrum und nutzen damit vielfältige Synergien. Der Heimleiter Erich Eberharter gewährt uns einen Einblick in seinen Arbeitsalltag.

Während er im Zentrum seinen Rundgang macht, erzählt er uns von der Namensfindung: „Es war allen Beteiligten wichtig, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.“ „Mitanond“ steht hier für die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, die gemeinsame Unterbringung diverser Einrichtungen unter einem Dach, das Verbindende zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen und deren gemeinsames Ziel, den Bewohnern die bestmögliche Betreuung und Pflege zu bieten.

Heute sind in dem energieeffizienten Neubau neben dem Pflegeheim auch der Gesundheits- und Sozialsprengel, die Tagesbetreuung sowie die Bücherei und ein physiotherapeutisches Institut untergebracht. Mitten im Ortskern ist ein soziales, kommunikatives Zentrum entstanden. Alltägliche Erledigungen wie Kirchenbesuche, Einkäufe, Bankgeschäfte, Behördenwege oder Besuche von Platzkonzerten und Festumzügen sind den Bewohnern zu Fuß möglich.

Neben dem sozialen Aspekt kann das Sozialzentrum vor allem durch die ressourcenschonende, bautechnische Ausführung begeistern. Mit der Installation einer 36 kWp- Photovoltaikanlage setzt man auf eine effiziente Energieversorgung und auch die Wärme bezieht das Sozialzentrum ganz im Sinne der Nachhaltigkeit aus Fernwärme. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung steigert zudem die Lebens- und Wohnqualität. Ein doppelter Gewinn für Mensch und Umwelt also. „Dadurch, dass für zwei Gemeinden nur ein Gebäude errichtet wurde, konnte vieles effizienter und komprimierter gestaltet und so nochmal zusätzlich Energie gespart werden“, sagt Eberharter.

Auch bei der Zubereitung der insgesamt rund 34.000 jährlichen Mittagessen handelt das Sozialzentrum ganz nach den Interessen von „TIROL 2050 energieautonom“. In der „Mitanond“-Küche wird nicht nur auf Frische und Qualität der Produkte geachtet, sondern auch viel Wert auf die Verwendung von Lebensmitteln aus der Region gelegt. „Es werden an die 19.000 Mahlzeiten allein für Essen auf Rädern, den Kindergarten und den Schülerhort zubereitet“, informiert Sabine Eder-Unterrainer, Geschäftsführerin des Gesundheits- und Sozialsprengels Kundl-Breitenbach. Was von Seiten des Landes seit Kurzem von allen Großküchen gefordert wird, nämlich die umfassende Verwendung regionaler Erzeugnisse, wird im Sozialzentrum „Mitanond“ bereits seit Längerem in die Tat umgesetzt.

Es ist kein Zufall, dass es die Gemeinden Kundl und Breitenbach mit dem „Mitanond“ unter die Finalisten des Tiroler Energiepreises 2015 geschafft haben und einen Anerkennungspreis für das nachahmenswerte Gemeindekooperationsprojekt erhielten. (TT)

Tirol 2050 — Eine neue Energie-Serie

Klimapolitik. Wöchentlich erscheinen an dieser Stelle in der TT am Sonntag Tiroler Beispiele in Sachen gut gemachter Energie- und Klimapolitik. Es sind Beiträge von einzelnen Menschen, aber auch von Firmen, die mit guten Ideen im Sinne eines bewussten Mitwirkens umdenken. Für die Zukunft.

Das Land Tirol hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 energieautonom zu sein. Wer sein Projekt vorstellen will, findet nähere Infos unter www.tirol2050.at

Im Sozialbereich engagiert: Erich Eberharter und Sabine Eder-Unterrainer.
Im Sozialbereich engagiert: Erich Eberharter und Sabine Eder-Unterrainer.
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