Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 22.05.2016


Tirol

63 Würfel erinnern an den KZ-Todesmarsch

© BreitAm Waldfriedhof in Seefeld gestaltet Michael Prachensky ein künstlerisches Denkmal.Foto: Breit



Von Brigitte Warenski

Seefeld – Nur eine Tafel – mit falschem Datum – zwischen Soldatenkreuzen erinnert derzeit an die Menschen, die 1945 beim Todesmarsch von Dachau ums Leben gekommen sind. Das wird sich nun ändern, denn der Waldfriedhof in Seefeld bekommt ein künstlerisches Denkmal und wird damit zum jüdischen Erinnerungsort an ein Ereignis, mit dem sich besonders der Tiroler Historiker Thomas Albrich befasst hat.

Zu Kriegsende transportierte die SS Gefangene aus Dachau und den Außenlagern Richtung Tirol. Am 28. April 1945 erreichte ein Zug mit rund 1700 jüdischen KZ-Häftlingen Seefeld, der ins Ötztal weiterfahren sollte. Da die Eisenbahnstrecke unterbrochen war, sollten die KZ-Gefangenen zu Fuß über Mösern und Telfs ins Ötztal geführt werden. Auf dem Todesmarsch starben einige der geschwächten Häftlinge. Weil Gauleiter Franz Hofer den Befehl gab, den Zug wieder nach Bayern rückzuführen, schleppte sich der Großteil wieder nach Seefeld zurück. Auch auf diesem Rückweg kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Wie viele Häftlinge beim Zugtransport nach Tirol und den folgenden Todesmärschen im Raum Seefeld-Mittenwald ihr Leben lassen mussten, ist nicht klar. Die Gemeinde Seefeld bestattete einen Teil der Toten am Waldfriedhof, der nach dem Krieg neu angelegt wurde. Am Gedenkstein ist von 63 namenlosen Opfern die Rede. Für jeden der Toten hat Architekt Michael Prachensky einen Würfel aus anthrazitfarbenem Beton gießen lassen, „die diese tragische Geschichte erzählen. Die 62 kleineren Würfel tragen den Davidsstern, auf dem größeren ist in Deutsch und Hebräisch eingraviert: ,Zur Erinnerung an den Todesmarsch 1945‘“. Prachensky reiht die Würfel nicht linear aneinander, sondern setzt sie in einer Unordnung auf den Waldboden, „weil ich damit diese chaotische Zeit symbolisieren will“.

Für den Seefelder Bürgermeister Werner Frießer ist das künstlerische Denkmal deshalb auch so wichtig, „weil wir bei uns viele jüdische Gäste haben, für die der Waldfriedhof schon jetzt eine Pilgerstätte ist“. Da bei den Arbeiten an diesem Ort besonders „sensibel“ vorgegangen werden muss, wird laut Frießer das Denkmal erst im Juni fertiggestellt sein.