Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.06.2016


Tirol

Heftige Nachwehen um Zentralmatura

An Kompensationsprüfungen und Geheimhaltung der Ergebnisse einzelner Schulen wird Kritik laut.

© Jakob GruberFür Lehrer- und Schülervertreter sind beim Thema Zentralmatura nach wie vor noch zahlreiche Fragen offen.



Innsbruck, Wien – Auch wenn die Ergebnisse heuer teilweise deutlich schlechter sind als im Vorjahr, will Tirols Landesschulsprecher der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) Max Hagenbuchner nicht von einer „kompletten Katastrophe“ sprechen. Es habe sich aber gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe und die Zentralmatura einer Reform unterzogen werden müsse. Hagenbuchner fordert den Übergang zu einer Teilzentralmatura, bei der die Grundlagenaufgaben vom Bund, die Schwerpunktaufgaben aber von den Schulen selbst gestellt werden können. Nur so könne die Matura auch den unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen in den Schulen gerecht werden. Im Sinne der Gerechtigkeit müsste außerdem auch die Korrektur der Arbeiten zentral erfolgen. Der Landesschulsprecher hofft, dass die Erkenntnisse analysiert und seitens des Bundes intern mit Schulen und Lehrern kritisch besprochen werden.

Die Jugendorganisationen von ÖVP und NEOS fordern hingegen die Veröffentlichung der Resultate der Schulen. „Ein Offenlegen der Details der einzelnen Schulergebnisse ist für eine transparente Bildungspolitik unentbehrlich“, hieß es in einer Aussendung der Jungen ÖVP. „Die Schüler haben ein Recht zu erfahren, ob an ihren Schulen etwas falsch läuft“, so die Jungen liberalen NEOS.

Die Lehrervertreter der AHS und berufsbildenden höheren Schulen (BHS) orten Probleme beim System der Kompensationsprüfungen. Wenn etwa in Kärnten in Mathematik 84 Prozent der AHS-Schüler diese Prüfung schaffen, in Salzburg aber weniger als die Hälfte, „kann etwas an dem Konzept nicht passen“, so AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin. Auch Roland Gangl (BHS) findet die Differenz bedenklich. Nach Ansicht Quins (Fraktion Christlicher Gewerkschafter/FCG) wird entweder bei der Klausur oder aber bei der Kompensationsprüfung das Falsche abgeprüft. Anders sei nicht zu erklären, dass Schüler plötzlich Dinge beherrschten, die sie kurz davor noch nicht konnten.

Verärgert zeigt sich indes der Tiroler FPÖ-NR Peter Wurm. Sein Antrag im Unterrichtsausschuss, wonach Schüler die Möglichkeit bekommen sollen, nicht bestandene Teilprüfungen bzw. Prüfungsgebiete der Matura noch im Schuljahr des Haupttermins zu wiederholen, um leichter für den weiteren Lebensweg planen zu können, fand bei den Regierungsparteien keine Unterstützung. (np, APA)