Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.07.2016


Osttirol

Prager Hütte wird wieder wie 1872

Keine Dusche, kein Innenklo: Die denkmalgeschützte Alte Prager Hütte wird baulich in die Zeiten von Erbauer Stüdl zurückversetzt.

© OblasserSeit etwa zehn Jahren wird die Alte Prager Hütte nicht mehr bewirtschaftet. Nun soll daraus ein Forschungszentrum im Hochgebirge werden.Foto: Oblasser



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Geschlossen ist sie schon seit rund zehn Jahren, die Alte Prager Hütte auf 2489 Metern Seehöhe im Matreier Innergschlöss. Seither besuchen nur die Schafe den Steinbau, der aus dem Jahr 1872 stammt. Damals erbaute die Alpenvereinssektion Prag mit Johann Stüdl das Schutzhaus, es steht seit 2012 unter Denkmalschutz.

Um die Hütte, die im Venedigergebiet liegt, zeitgemäß bewirtschaften zu können, kamen in den letzten Jahrzehnten Zubauten dazu, Innenflächen wurden mit Spanholz verkleidet und eine Küche eingebaut. Das alles soll nun rückgängig gemacht werden, weiß Florian Jurgeit vom Nationalpark Hohe Tauern. Der Park erstreckt sich auch über die Fläche, auf der die Alte Prager Hütte steht.

„Gemeinsam mit dem Alpenverein und dem Denkmalamt wollen wir die Hütte sanieren“, berichtet Jurgeit. Geplant ist allerdings nicht, moderne Technik und neuen Komfort auf den Berg zu bringen, im Gegenteil. „Die sanierte Hütte soll in etwa so werden, wie Johann Stüdl sie im 19. Jahrhundert errichtet hat. Das heißt also, sehr schlicht.“ Vorlagen und Baupläne von damals gibt es noch, nach denen man sich bei der Sanierung richten kann. Dann soll die Hütte als Stützpunkt für Gletscher-, Klima- und andere Naturforscher dienen.

Die müssen dann auf so manchen Komfort verzichte­n. Als WC ist eine chemische Toilett­e außerhalb der Hütte vorgesehen. Fließendes Wasser gibt es nur so, wie es anno dazumal war: am Brunnen. Nur auf Strom können Alpenverein und Nationalpark nicht verzichten, da Forscher zumindest teilweise auf Laptops und Internet angewiesen sind. Der Strom soll aus Photovoltaik-Anlagen kommen.

Wenn alles nach Plan geht, wird heuer mit den Arbeiten angefangen. Die Gesamtkosten betragen zwischen 280.000 und 300.000 Euro, von denen der Nationalpark und der Österreichische Alpenverein jeweils 40.000 Euro übernehmen.

Das Osttiroler Gschlöss­tal und sein Einzugsgebiet mit dem Großvenediger als höchstem Punkt ist eine von drei Forschungs-Schwerpunktflächen des Nationalparks. Somit fügt sich die sanierte Alte Prager Hütte in das Konzept ein. Jurgeit hofft auf viele Doktoranden und andere Wissenschafter, um die Hütte mit Leben zu erfüllen.