Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.07.2016


Gesellschaft

Schützenfest mit kritischen Tönen

Das Bataillon Oberes Iseltal feierte am Wochenende sein jährliches Schützenfest. Zum Festhalten

an Werten und Tradition sollen heuer auch Selbstreflexion und Nachdenken hinzukommen.

© BlassnigUnter freiem Himmel fand die Feldmesse statt.



Von Christoph Blassnig

St. Johann i. Walde – Die Kienburger Landesstraße war am Samstag für vier Stunden gesperrt, als rund zwanzig Schützenformationen aus allen Teilen Tirols dort Aufstellung nahmen. Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler schritt die Mannschaften ab. Die Feldmesse mit Totengedenken gestaltete Pfarrer Ferdinand Pittl. Die Musikkapellen St. Johann und Oberlienz begleiteten den Festakt musikalisch, Letztere konzertierte am Abend im Festzelt.

Die Landtagsabgeordneten Hermann Kuenz und Martin Mayerl, Bundesrat Andreas Köll, Bezirkshauptfrau Olga Reisner, zahlreiche Bürgermeister sowie Vertreter von Bundesheer, Polizei und Rettung erwiesen dem Schützentreffen durch ihre Anwesenheit die Ehre.

Landeskommandant Fritz Tiefenthaler, Bürgermeister Franz Gollner und Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler schritten die Formationen ab.
- Blassnig

Für seine Gastgebergemeinde sprach BM Franz Gollner. Er lobte das Schützenwesen als einen sozial engagierten Verein, auf den sich die Gemeinden jederzeit verlassen könnten.

Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler betonte die Verantwortung, die die Schützen für die Heimat übernehmen würden. „Selbst ein Schützenkamerad, bin ich stolz auf unsere Werte, die geprägt sind von Kameradschaft in der Kompanie, in den Vereinen und in den Dorfgemeinschaften.“ In Zeiten der Veränderung, der Digitalisierung der Arbeitswelt, von Flucht- und Migrationsbewegungen brauche es den wachen Geist von Damen und Herren, die füreinander und für das Gemeinwohl einstehen würden.

Auch die Jüngeren vertraten ihre Gemeinde St. Johann im Walde standesgemäß.
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Landeskommandant Fritz Tiefenthaler verbuchte die abgeänderte Vereinsbesteuerung in Österreich als einen Erfolg, weil genau die in Tirol erstellte Resolution das Parlament in Wien passiert habe. Beim Waffengesetz stehe ein solcher Beschluss noch aus, man sei nach Verhandlungen in Brüssel aber zuversichtlich.

Tiefenthaler verwies auf die Bedeutung der Schützenviertel-Bildungsseminare, die heuer in Kals stattfinden werden. „Wir müssen unsere Themen und Werte nicht neu fassen, wir können sie auch bestätigen. Aber wir müssen wieder offen darüber sprechen und nachdenken.“ Das Schützenwesen sei eine Klammer über die Landesgrenzen hinaus. Man habe stets das Gemeinsame herauszustreichen und zu betonen.

Die Traditionsbatterie des k&k Gebirgsartillerieregiments Kaiser Nr. 14 aus Dölsach unterstützte die Ehrensalven mit Böllerschüssen.
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„Wir müssen uns schon auch kritisch fragen, was mit unserem Land in den letzten Jahren passiert ist“, ließ der Landeskommandant aufhorchen. „Wenn unsere eigenen Leute zu Tausenden in fremden Ländern und Kulturen Sicherheit zu finden glauben – und nicht bei uns!“

In den Viertelseminaren werde genau darüber zu sprechen sein. „Jeder von uns ist gefordert, seines dazu beizutragen“, mahnte Tiefenthaler die Männer der anwesenden Kompanien zu reger Beteiligung.