Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.08.2016


Gesellschaft

Landeck feierte sein uraltes Kulturgut

Die Feierlichkeiten anlässlich 1500 Jahre Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt erreichten am Montag ihren Höhepunkt. Alt-Erzbischof Kothgasser zelebrierte den Dankesgottesdienst im frisch renovierten Gotteshaus.

© WenzelDas 500 Jahre alte Taufbecken wird gesegnet – Thomas Fankhauser, Alt-Erzbischof Alois Kothgasser, Dekan Martin Komarek und Ministrant Paul Koller (v. l.). Mitte: Architekt Fritz Falch verriet spannende Momente aus dem elfjährigen Restaurierungsprojekt. Er sprach von einem „Kulturdenkmal mit spätgotischem Formenschatz“. Rechts: Kothgasser, begleitet von LR Bernhard Tilg und BM Wolfgang Jörg (r.) beim landesüblichen Empfang.Fotos: Wenzel



Von Helmut Wenzel

Landeck – Zur Kirchengeschichte im Raum Landeck ist in Trient ein Dokument verwahrt: Dort findet sich die erste urkundliche Erwähnung der spätromanischen Kirche in Land­eck/Angedair im Jahr 1266. Womit heuer das 750-Jahr-Jubiläum hätte gefeiert werden müssen.

Aber es kam anders: Die Jubiläumsjahre mussten verdoppelt werden. Die Stadtpfarre Maria Himmelfahrt organisierte ein mehrtägiges Feierprogramm, das gestern am Hohen Frauentag seinen Höhepunkt erreichte. Böllerschüsse kündigten den Festtag um 6 Uhr in der Früh an. Dekan Pfarrer Martin Komarek hieß gegen 9.30 Uhr Alt-Erzbischof Kothgasser zum landesüblichen Empfang willkommen. Flankiert von LR Bernhard Tilg, Bürgermeister Wolfgang Jörg und Major Fritz Gastl schritt er die Schützenfront ab. „Ich danke den Schützen für ihre Ehrensalve. Da sind viele aufgewacht“, bemerkte Kothgasser später in der Predigt. Die Besucher schmunzelten.

Tilg stellte fest, mit der Restaurierung sei die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt in ihrer Bedeutung als geistiger Mittelpunkt der Bezirksstadt gestärkt worden. Jörg hob den frisch restaurierten Sakralbau als „Kulturgut unschätzbaren Ausmaßes“ hervor. Komarek und Architekt Fritz Falch bezeichnete er als „Motoren des Restaurierungsprojekts“.

Der Dekan verkündete beim Empfang: „Wir erleben einen denkwürdigen Tag. Nur ganz wenige Pfarren in Tirol können ein 1500-Jahr-Jubiläum feiern.“ Die Restaurierungsarbeiten seien nur vorläufig abgeschlossen, daher werde sich der Restaurierungsausschuss vorerst nicht auflösen.

Begleitet von Seelsorgern, Diakonen, Ministranten und Stadtpfarrkirchenchor gestaltete Kothgasser einen fast dreistündigen Gottesdienst mit zahlreichen Dankesworten. „In dieser historischen Stunde eröffnet sich eine neue Zukunft in einer Zeit der Not und Bedrängnis“, betonte der Alt-Erzbischof. Schließlich segnete er das 500 Jahre alte Schrofensteiner-Taufbecken, den Ambo und Tabernakel. Eine etwas aufwändige Zeremonie mit Weihrauch wurde dem neuen Hauptaltar gewidmet – eine schlichte, funktionelle Stein-Konstruktion mit Herkunft aus Jerusalem.

Wie die TT berichtete, hatte ein Archäologen-Team sensationelle Schätze freigelegt – etwa Silberringe mit christlichem Kreuz, einen Reitersporn aus Bronze oder eine Halskette mit vergoldeten Hülsen – alles aus frühchristlicher Zeit. „Unter dem Kirchenboden befanden sich fünf weitere Böden“, schilderte Restaurierungsleiter Falch. Die ältesten Spuren der Urkirche datieren aus dem Jahr 430. Es sind verkohlte Holzreste im Umfeld des alten Taufbeckens, deren Alter mit der C14-Methode bestimmt wurde. Kopfzerbrechen bereiten Falch noch zahlreiche spätromanische Freskenreste, die bei den Grabungen gefunden wurden: „Es ist ein schwieriges Puzzle. Wir haben dazu auch Spezialisten für Stasi-Akten befragt und dann ein Angebot von russischen Experten eingeholt.“