Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.08.2016


Bezirk Imst

Die Jagd nach dem perfekten Licht

Der Mieminger Zahnarzt Nicholas Roemmelt ist in seinem „zweiten Leben“ Naturfotograf. Als einer der ersten Sternen-Landschafts-Fotografen in Europa heimst er internationale Preise am Fließband ein.

© Nicholas RoemmeltEine 180-Grad-Aufnahme der Milchstraße und des Lehner Wasserfalls in Umhausen.



Von Hubert Daum

Mieming – „Praxis geschlossen“ hieß es bis vor Kurzem an der Mieminger Hauptstraße. Zahnarzt Nicholas Roemmel­t auf Urlaub – nichts Außergewöhnliches. Dass er – gemeinsam mit seiner Frau Christine – wieder einmal in sein zweites Leben eingetaucht war und der Natur auf den Zahn fühlt, ist für ihn selbstverständlich. Die große Leidenschaft des Wahlmiemingers ist die Fotografie.

Das, was als „Spätberufener“, wie der 43-Jährige selbst sagt, vor 13 Jahren mit einer kleinen Kamera begann, „pixelte“ sich gerade in den letzten Jahren zu etwas ganz Großem: Nicholas Roemmelt gehört zu den besten Naturfotografen der Welt. „Ich war als Sohn eines Bayern und einer Tirolerin immer schon auf den Bergen unterwegs und wollte das Naturerlebnis irgendwie behalten“, erzählt der Fanatische (Selbstbezeichnung), „durch die Fotografie ist dies möglich. Ab da war ich ihr verfallen.“ Unzählige Lektüren und Webseiten habe sich der Autodidakt reingezogen und begonnen, die Fotos Agenturen zu schicken. Ab dem Abdruck eines Bildes im Magazin „4 Seasons“ sei es steil bergauf gegangen. A propos: Das tut er auch, nämlich dann, wenn andere schon auf dem Heimweg sind. „Meine Frau und ich übernachten meistens auf dem Berg. Ich bin permanent auf der Jagd nach dem perfekten Licht. Und das ist abends, nachts oder morgens“, erzählt Roemmel­t, der einen eigene­n Stil entwickelt hat.

Sein Herzblut sei die Sternen-Landschafts-Fotografie, im Jargon „starscape“ genannt: „Ich war in Europa damit einer der Ersten. Meine besondere Aufmerksamkeit gilt der Milchstraße. Die ist sehr schwierig zu fotografieren.“ Die Arbeit am Berg sei das Handwerk, die Bearbeitung am Computer das Kreative. Roemmelt: „Ich bin kein Composer, der andere Elemente einfügt. Ich arbeite lediglich das, was auf dem Bild ist, mit Farbe, Belichtung oder Kontrast heraus. Damit kann ich das, was dem menschlichen Auge verborgen bleibt, sichtbar machen.“ Der Mieminger Fotograf spricht von einer „Komposition, mit der ich versuche, die Emotionen des Bergerlebnisses mit dem Bild zu transportieren“.

Fotograf Nicholas Roemmelt.
- Roemmelt

Und das ist ihm gerade in den letzten Jahren gelungen. Die Elemente Sterne, Berg, Panorama und Mensch – damit man die Relationen sehe – entwickelten sich zu einem Alleinstellungsmerkmal, das auch der internationalen Bühne nicht verborgen blieb: 2015 wurde Roemmelt bei verschiedenen Awards mit Edelmetall behängt. Am meisten glänzt die Goldmedaille eines der weltweit größten Fotowettbewerbe, des „Sony World Photography Award“. Seine Kompositionen werden mittlerweile in unzähligen Kalendern, Büchern und Hochglanzmagazinen abgedruckt. Das Lieblingsbild? „The Photographer“ heißt es, entstand im März in Island und zeigt die atemberaubenden Nordlichter „dekoriert“ mit seinem Begleiter Niki Haselwanter. Mit diesem außergewöhnlichen Werk nimmt Roemmelt heuer am international größten Fotocontest teil. Er habe schon positive Signale erhalten, im September sei die Prämierung. Bald heißt’s wieder: Praxis zu, Blende auf, Jagd nach dem Licht in Skandinavien, den USA, in den Dolomiten oder vor der Türe. Kostproben davon sind auf www.venture.photography zu bewundern.

Das Lieblingsbild „The Photographer“, das wieder Gold holen sollte.
- Nicholas Roemmelt