Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.08.2016


Bezirk Schwaz

Schwarzfahren, weil Kleingeld fehlte

Wer in Tirol Zug fahren will, muss für ein Ticket am Automaten die passenden Geldscheine parat haben. Sonst könnte man, wie bei einer Achenseerin passiert, ungewollt zum Schwarzfahrer werden.

ÖBB-Fahrkartenautomaten geben als Retourgeld nur Münzen heraus. Daher sollte man beim Ticketkauf die passenden Scheine parat haben.

© Thomas BöhmÖBB-Fahrkartenautomaten geben als Retourgeld nur Münzen heraus. Daher sollte man beim Ticketkauf die passenden Scheine parat haben.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Mit einem 50-Euro-­Schein ein Zugticket von Schwaz nach Innsbruck um 6,40 Euro zu kaufen, ist nicht möglich. Das musste nun auch die Achenseerin Michael­a Hintner feststellen.

Sie ist sauer. Nicht nur, dass der ÖBB-Fahrkartenautomat am Schwazer Bahnsteig ihre 50-Euro-Note nicht annehmen wollte, auch der Schaffner am Bahnsteig habe ihr kein Zugticket verkaufen wollen. Er hätte sie sogar unhöflich behandelt. „Der hat sich wirklich unmöglich aufgeführt“, erklärt Hintner verärgert. Sie hat eine schriftliche Beschwerde bei den ÖBB eingereicht. „Am Automaten stand, dass er nur 5er und 10er nimmt. Das kann es doch nicht sein. Der Schaffner stand am Bahnsteig und hat dann gemeint, es sei meine Sache, dass ich genug Wechselgeld bei mir habe, und er kann mir kein Ticket verkaufen“, berichtet Hintner. Die Drohung, dass sie sich ohne gültiges Zugticket eine satte Strafe fürs Schwarzfahren einhandle, hat die Achenseerin nur noch mehr verärgert. Die Zeit sei knapp gewesen und ein wichtiger Termin in Innsbruck habe sie dazu gebracht, ohne Ticket in den Zug einzusteigen. Auch dort wollte ihr der vermeintliche Schaffner aber keinen Fahrschein verkaufen. „Ich war dann so sauer und habe ihm gesagt, dass ich mich beschweren werde. Das hat ihn dann wohl dazu gebracht, es gut sein zu lassen. Ich bin dann quasi schwarzgefahren, obwohl ich ein Ticket kaufen wollte“, erklärt Hintner missmutig.

ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel erscheint das Geschehene seltsam: „Ich kann mir das nur so erklären, dass der Schaffner ein Kontrolleur war, denn um die Uhrzeit, als die Dame von Schwaz nach Innsbruck gefahren ist, verkehrt nur ein Regionalexpress. Und in den Nahverkehrszügen gibt es keinen Kartenverkauf, da darf man nur mit gültiger Fahrkarte einsteigen.“ Der vermeintliche Schaffner könne daher laut Zumtobel nur ein Kontrolleur gewesen sein und „der darf keine Tickets verkaufen, sondern ist vor Ort, um im Zug zu kontrollieren“. Er wolle nicht ausschließen, dass außerplanmäßig auch einmal ein Railjet in Schwaz halte, aber es sei nicht üblich, dass dann dort Leute zusteigen könnten.

Das Problem mit den Fahrkartenautomaten sei laut ÖBB-Pressesprecher einfach zu erklären: „Das Bezahlen mit Bargeld ist an den Automaten nur in 10er-Schritten möglich. Denn wenn jemand sieben Euro mit einem Hundert-Euro-Schein bezahlen will, würde er einen Sack voller Münzen erhalten. Die Fahrkartenautomaten geben nämlich nur Münzgeld heraus und keine Scheine.“ Sei also ein Betrag von 63 Euro zu bezahlen, könne dies beispielsweise mit einem 50- und 10-Euro-Schein erledigt werden. „Wir kämen sonst ja auch mit dem Nachfüllen von Münzen nicht mehr hinterher“, erklärt der Pressesprecher. Für den Fall, dass jemand nicht die passenden Scheine im Geldbörserl hat, könne laut Zumtobel auch per Bankomat- oder Kreditkarte direkt am Automaten bezahlt werden. „Das geht selbst bei den kleinsten Beträgen und ist total unkompliziert“, betont Zumtobel. Ansonsten müsse man sich die Karte schon vorab besorgen, etwa per Online-Bestellung.