Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.08.2016


Imst

Neuer Thron für die Königin der Instrumente

In Ötztal-Bahnhof wird die alte Innsbrucker Stadtsaal-Orgel aufgebaut. Die drittgrößte Konzertorgel Österreichs erklingt dort am 2. Oktober.

Mit 46 Registern und 3524 Pfeifen handelt es sich um die drittgrößte Konzertorgel Österreichs.

© ReichleMit 46 Registern und 3524 Pfeifen handelt es sich um die drittgrößte Konzertorgel Österreichs.



Von Matthias Reichle

Ötztal-Bahnhof – Es erfordert Fingerspitzengefühl – vorsichtig schraubt Christian Hellbach am großen Abstraktenkamm der Orgel. Er wird später den Druck von den Tasten auf die Ventile der Pfeifen übertragen. Wird die Mechanik jedoch nicht exakt eingerichtet, schlagen die langen Stränge aneinander und verursachen ein unangenehm störendes, klapperndes Geräusch, erklärt der Handwerker. Der Thüringer Orgelbauer tüftelt derzeit mit seinen Kollegen vom Unternehmen Rösel in Ötztal-Bahnhof an einem besonderen Instrument.

Mit dem Abriss der Innsbrucker Stadtsäle suchte auch die „Stimme“ der Institution ein neues Zuhause. Mit 46 Registern und 3524 Pfeifen handelt es sich um die drittgrößte Konzertorgel Österreichs, sie gilt als Pionierleistung der 50er-Jahre und steht nicht zuletzt deshalb unter Denkmalschutz. „Lange Zeit war sie die größte Orgel Tirols, die Herausforderung war für uns mindestens ebenso groß“, gibt Orgelbaumeister Andreas Rösel zu bedenken.

Schon der Abbau war ein riesiger Aufwand. Das Ins­trument wurde in Tausende Einzelteile zerlegt: Die größten der hölzernen Pfeifen sind 5,60 Meter lang und fast 100 Kilo schwer, die kleinsten messen wenige Zentimeter. In der Werkstatt im thüringischen Saalfeld reparierte und reinigte Rösel Stücke, an denen der Zahn der Zeit genagt hatte. Die größten Schäden fanden sich an den Windläden, die stark durchhingen. Derzeit wird die Orgel wieder aufgebaut. Längst sind noch nicht alle Pfeifen auf ihrem Platz.

Christian Hellbach arbeitet an den Abstrakten.
Christian Hellbach arbeitet an den Abstrakten.
- Reichle

„Wir konnten die Orgel nahezu vollständig original erhalten“, so Rösel. Für ihn ist es eine gute Orgel. „Sie ermöglicht es, Musik aus der Zeit authentisch zu interpretieren.“ Ihm war es ein „persönliches Anliegen“, das Instrument zu erhalten. In Ötztal-Bahnhof wurde es beinahe „euphorisch“ begrüßt. Der Pfarrgemeinderat hatte sich sehr dafür eingesetzt. „Ich hoffe, es wird ein Magnet in der Region.“ Groß genug ist das Instrument für das Gotteshaus, das in der gleichen Zeit erbaut wurde, allemal. „Sie könnte zwei solche Kirchen bespielen“, erklärt Rösel. Kürzlich stattete auch die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer dem Instrument einen Besuch ab und ließ sich den Aufbau der Orgel erklären. „Es ist schön, dass die Stadtsaalorgel eine neue Heimat hat. Hier in Ötztal-Bahnhof wird sie genutzt und kommt – im Gegensatz zu ihren letzten Jahren im Innsbrucker Stadtsaal – regelmäßig zum Einsatz.“ Das erste Mal am 2. Oktober mit einer Festmesse. Die Orgel selbst war eine Schenkung der Stadt Innsbruck. Die Haiminger zahlen die Restaurierung und den Aufbau. Aufgrund zusätzlicher Arbeiten wird das teurer als ursprünglich erwartet. Man rechnet mit rund 200.000 Euro.

Die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer besichtigte mit Orgelbaumeister Andreas Rösel und Pfarrgemeinderat Josef Pohl die Orgel.
Die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer besichtigte mit Orgelbaumeister Andreas Rösel und Pfarrgemeinderat Josef Pohl die Orgel.
- Pohl