Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.08.2016


Bezirk Landeck

Pflege-Region mit starker Säule

Das Grinner Heim St. Josef mit neun Verbandsgemeinden feiert das 20-Jahr-Jubiläum.

Das 80-köpfige Team sowie 70 Ehrenamtliche gestalten „Eden-Pflege“ mit den Bewohnern.

Fühlen sich wohl im gepflegten Garten: Paula, Heimleiter Gottlieb Sailer, Pflegedienstleiterin Christine Wolf und Rosi (v. l.).

© WenzelFühlen sich wohl im gepflegten Garten: Paula, Heimleiter Gottlieb Sailer, Pflegedienstleiterin Christine Wolf und Rosi (v. l.).



Von Helmut Wenzel

Grins – Kachelöfen, Zirbenholzfassaden, viel Tageslicht und Blumenschmuck: Das sind Merkmale des Wohn- und Pflegeheims St. Josef in Grins. Das 65-Betten-Haus bietet eine wohnliche Atmosphäre. „Man hat gar nicht das Gefühl, in einem Pflegeheim zu sein“, bemerkte kürzlich eine Besucherin.

Dabei hat das Haus sehr wohl einen Pflegeschwerpunkt. „Fast alle Bewohner sind auf Pflegestufe 3 oder höher eingestuft“, weiß Pflegedienstleiterin Christine Wolf. Sie und ihr Team sind der so genannten Eden-Philosophie verpflichtet. Gehfähige Klienten hegen und pflegen ihr Hochbeet im Garten, betreuen einen Hühnerstall oder füttern Enten. „Das ist unser Konzept gegen Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile“, erläutert Wolf. „Die Normalität der Bewohner soll in ihrem gewohnten Lebensumfeld erhalten bleiben.“

Im Heim St. Josef sind 65 Betten untergebracht.
Im Heim St. Josef sind 65 Betten untergebracht.
- Wenzel

Heimleiter Gottlieb Sailer blickt auf 20 Jahre Haus St. Josef zurück, er war fast von Anfang an dabei. „Zu Beginn der 90er-Jahre herrschte Pflegenotstand. Eine Studie hat dann die Verantwortungsträger wachgerüttelt. In Grins haben wir den Glücksfall gehabt, dass das alte Kurhaus verfügbar war.“ Neun Gemeinden schlossen sich zum Verband zusammen, um das Kurhaus zum Wohn- und Pflegeheim St. Josef umzubauen, zunächst mit 35 Betten. Mit im Boot sind Galtür, Ischgl, Kappl, See, Pians, Tobadill, Strengen, Grins und Stanz.

Rund 53 Mio. Schilling verschlang das Projekt, umgerechnet vier Mio. Euro. „Bei der Weiterentwicklung des Hauses ließen uns die Bürgermeister freie Hand“, hob Sailer hervor. So konnte im Jahr 2000 das ehemalige Grinner Hotel Maultasch als Haus für betreutes Wohnen mit 14 Wohnungen eingerichtet werden. Weitere 4,3 Mio. Euro flossen in die Erweiterung von St. Josef auf 65 Betten.

„Meines Wissens war es nie ein Thema, dass im Paznaun ein eigenes Pflegeheim gebaut werden sollte“, sagte der Heimleiter. „Dafür haben wir acht aktive Pflege- und Sozialvereine.“ In Kappl kommt die 2014 eröffnete Seniorenstube dazu. Neben dem 80-köpfigen Mitarbeiterteam (80 Prozent Frauen, viele in Teilzeit) engagieren sich 70 Ehrenamtliche in der Betreuung und Begleitung. Sogar ein Chor „Santa Giuseppe“ ist gegründet worden. Musik, Basteln und Bewegung stehen ebenso auf dem Programm wie der Frischemarkt-Besuch.

Die Jubiläumsfeier beginnt am Sonntag, 28. August, um 10 Uhr mit einem Dankesgottesdienst, zelebriert von Pfarrer Josef Jäger. Nach den Grußworten der Ehrengäste folgt der gemütliche Teil.