Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.08.2016


Gesellschaft

Frustpegel bei Freiwilligen steigt

Für die Tiroler Flüchtlingshelfer gibt es nach wie vor kaum Strukturen und Koordination.

Wichtig ist, dass die Menschen schnell einen Job finden.

© iStockphotoWichtig ist, dass die Menschen schnell einen Job finden.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Bernhard Jochum und Horst Androschin engagieren sich als Freiwillige in Tiroler Flüchtlingsheimen und koordinieren in ihrem Bereich auch andere Helfer. Sprachunterricht, gemeinsame Behördengänge und Arztbesuche oder die Freizeitgestaltung mit Asylwerbern und Flüchtlingen zählen unter anderem zu den Aufgaben der beiden Pensionisten. Zu tun gebe es genug. Mehr als genug, sind sich Jochum und Androschin einig. Sie sehen einen großen Bedarf an freiwilligen Helfern, der aktuell jedoch nicht gedeckt werden könne. Die Folge: Helfer unterstützen mehrere Flüchtlinge gleichzeitig. „Bei 300.000 Haushalten in Tirol müsste es aber doch möglich sein, dass jeder der 6300 Asylwerber einen freiwilligen Unterstützer bekommt“, appelliert Androschin an die Tirolerinnen und Tiroler, sich zu engagieren. Denn in dieser Form der Begleitung von Asylwerbern und Flüchtlingen liege der Schlüssel zu einer gelungenen Integration, sind er und Jochum überzeugt. Konkret schwebt ihnen die Umsetzung eines tirolweiten Patenschafts-Systems vor. „Das ist eine zivilgesellschaftliche Geschichte. Wir können nicht darauf warten, bis ein Ministerium das aufsetzt“, meint Jochum. Allerdings brauche es eine Stelle oder Einrichtung, die den Einsatz der Helfer landesweit koordiniert.

Wie wichtig eine Struktur für die freiwilligen Flüchtlingshelfer hierzulande wäre, betont auch Irene Pilshofer. Die Geschäftsführerin der Plattform Rechtsberatung ist auch in der ARG­E Freiwilligen­engagement vertreten, die sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigt. Pilshofer sieht aktuell nach wie vor eine große Hilfsbereitschaft bei den Tirolerinnen und Tirolern, teilweise sei diese allerdings in Überforderung umgeschlagen. Vielfach würden falsche oder nicht erfüllte Erwartungshaltungen den Frustpegel der Freiwilligen steigen lassen. Nach einer Überbereitschaft, zu helfen, hätten doch viele Freiwillige erkannt, wie zeitintensiv dieses Engagement mitunter sein kann. „In der Arbeit mit Menschen ist außerdem auch die Abgrenzung ein wichtiges Thema“, sagt Pilshofer. Die Plattform Rechtsberatung hat daher ihr Patenschafts-Projekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an eine Schulung geknüpft, die Helfer im Vorfeld absolvieren müssen, um auf die Aufgabe vorbereitet zu werden.

Sabina Peskoller, Koordinatorin der Freiwilligen in der Traglufthalle Hall, zieht hingegen eine positive Bilanz der Freiwilligenarbeit. Sie würde sich allerdings mehr jugendliche Freiwillige wünschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren.