Letztes Update am Mo, 05.09.2016 13:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Jahrhunderte alte Wasserleitung in Innsbruck entdeckt

Die Röhren aus Lärchenholz könnten aus dem 16. Jahrhundert stammen. Eine Untersuchung soll Klarheit bringen.

Die Holzröhren der Deichelleitungen sind konisch miteinander verbunden.

© TLMDie Holzröhren der Deichelleitungen sind konisch miteinander verbunden.



Innsbruck – Bei Bodensondierungen im Innsbrucker Stadtteil Mühlau ist eine mehrere Jahrhundert alte Wasserleitung aus Holzröhren entdeckt worden. Sie könnte aus der Zeit von Kaiser Ferdinand I. oder Kaiser Maximilian I., also aus dem 16. Jahrhundert, stammen, teilten die Tiroler Landesmuseen am Montag in einer Aussendung mit.

Eine dendrochronologische Untersuchung (dabei werden die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet, Anm.) soll nun eine zeitliche Eingrenzung der Holzröhren ermöglichen. Das archäologische Grabungsteam der Landesmuseen konnte am Oberkoflerweg zwei dieser Deichelleitungen (durch Durchbohren eines Baumstammes gefertigte Holzröhre, Anm.) auf einer Länge von jeweils rund 30 Metern freilegen.

In sehr gutem Zustand

Die Wasserleitungen würden aus bis zu vier Meter langen Röhren aus Lärchenstämmen mit einem Außendurchmesser von rund 25 Zentimeter und einem Innendurchmesser von rund siebeneinhalb Zentimeter bestehen. Aufgrund ihrer Lagerung im mit Hangwässern durchsetzten Schotter bzw. Torf sind sie in einem sehr guten Zustand, hieß es seitens der Landesmuseen. Das Grabungsteam gehe davon aus, dass die Leitungen ursprünglich in rund 40 Zentimeter breite, flache Gräben verlegt worden waren. Aufgrund späterer Vermurungen wurden sie jetzt in einer Tiefe von bis zu 2,3 Metern gefunden.

Die Holzröhrenleitungen belieferten wahrscheinlich die Mühlauer Brunner mit Wasser. Beide Leitungen weisen laut Landesmuseen dieselbe Art der Verbindung auf: Das talwärts gerichtete konische Röhrenende steckt in der hangseitig geraden Stirnfront der tiefer gelegten Röhre. Die archäologischen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Bohrung mit einem über zwei Meter langen Deichelbohrer von beiden Enden des Baumstammes bis jeweils zu dessen Mitte erfolgte.

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Im Plan der Hofbrunnenwasserleitung von 1796 seien die freigelegten Leitungen nicht verzeichnet. Der Plan halte den Verlauf der 1594/95 angelegten Mühlauer Hofwasserleitung fest. In Verbindung mit der massiven Überlagerung der Röhren durch Murenmaterial könne sich damit der Hinweis bieten, dass die beiden Wasserleitungen Ende des 18. Jahrhunderts bereits nicht mehr aktiv waren. Die Holzröhren könnten aber auch mit einem Fischbehälter und einen Weiher in Verbindung stehen, die zum 1563 von Kaiser Ferdinand I. errichteten Tiroler Fischmeisteramt gehörten. (APA)