Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.09.2016


Bezirk Kufstein

Wörgl schnürt Integrationspakete

Die Stadt Wörgl beherbergt derzeit 120 Asylwerber, wie viele noch hinzukommen, ist offen. Für BM Wechner müssen Unterkünfte menschenwürdig sein und Möglichkeiten zur Betreuung bestehen.

© PantherMedia/SchwierZwei SPÖ-Landeshauptleute lösten eine Integrationsdebatte aus.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Es ist viel in Sachen Integration geschehen. Aber die Stadt Wörgl will sich keinesfalls auf den Lorbeeren ausruhen, sondern die politische Führung plant bereits neue Projekte, bei denen Asylwerber in Wörgl eingebunden werden sollen. „Die Menschen wollen arbeiten“, betonen Bürgermeisterin Hedi Wechner und Sozialrefe- rent Christian Kovacevic. Derzeit beschäftigt die Stadt selber 18 Asylwerber auf Stundenbasis, mit dem neuen Stadtverschönerungsprojekt sollen es um einige mehr werden.

Von allen Seiten gibt es Lob für die Initiative von Wörgl, die vom Verein komm!unity unter Obfrau Irmgard Moritz und GS Klaus Ritzer getragen wird. Der Verein hat seine Wurzeln im Wörgler Integrationszentrum und setzt dessen Arbeit fort. Dabei geht es um Sprachkurse genauso wie um Beratung von Flüchtlingen, Koordination der Ehrenamtlichen und Einbindung der Wörgler Bevölkerung. Es ginge ums Besser-Kennenlernen und Annehmen, wie Moritz hervorhob. Was nicht passieren dürfe, sei, dass es neuerlich zu einer Parallelgesellschaft komme. „Das Wesentliche ist der Kontakt der Menschen untereinander“, sagt Moritz, die hofft, dass man auch die Chancen der Integration erkenne.

Ein buntes Fest der Nationen

Menschen aus 63 Herkunftsnationen tummeln sich in der 13.000-Einwohner-Stadt Wörgl. Wobei rund 18 Prozent Nichtösterreicher sind.

Um diesen Menschen das Näherkommen zu ermöglichen, findet auch heuer wieder das „Fest der Nationen" statt. Am kommenden Samstag werden ab 13 Uhr auf einer Bühne in der Josef-Speckbacher-Straße verschiedenste Vorführungen dargeboten. Mit interkulturellen Workshops und sowohl moderner als auch traditioneller Musik und Tänzen aus der ganzen Welt ist ein bunter Reigen der Unterhaltung und Information geboten. Wie in den letzten Jahren erwarten die Festgäste aber auch vielfältige globale Leckerbissen, die an den Marktständen entlang der Josef-Speckbacher-Straße zubereitet werden. Die Stadtmusikkapelle Wörgl versorgt die Gäste wieder mit Getränken.

Das Fest mündet ab 18 Uhr in das Cover Me Festival in der Bahnhofstraße. Der Eintritt ist frei. (TT)

Das Aufeinander-Zugehen fördert auch das jährliche „Fest der Nationen“ (siehe rechts). Es findet am Samstag statt. Für Wechner wurde zu lange vergessen, dass so viele Flüchtlinge „Unbehagen“ bei den Österreichern auslösen können. Daher sei es nun wichtig, „die Leute abzuholen“ und zu zeigen, „dass man mit Flüchtlingen zusammenleben kann“. 120 Flüchtlinge werden derzeit in Wörgl betreut, 65 Personen mit anerkanntem Asylstatus leben in der Stadt. „Wir haben die Quote noch nicht erreicht“, stellt Wörgls Bürgermeisterin klar. Derzeit arbeite man an einem Projekt mit den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) und der Bad Eisenstein GmbH, die bereits jetzt im ehemaligen Gasthaus Badl Asylwerber beherbergt. Über das Projekt will Wechner derzeit noch nicht berichten, sie kann auch noch keine Auskünfte geben, wie viele Flüchtlinge die Stadt noch aufnimmt.

„Aber es muss eine entsprechende Unterkunft vorhanden sein“, stellt Wechner klar, und es müsse sichergestellt sein, dass sich die Stadt um die Flüchtlinge kümmern und diese integrieren könne. Als Negativbeispiel für eine Unterbringung bringt sie das ehemalige Billa-Gebäude in Kirchbichl ins Spiel.

Die Wörgler Politiker verschließen aber nicht die Augen vor den Problemen, die der Flüchtlingsstrom mit sich bringt. U. a. sind die Wohnungen und die Grundversorgung für Menschen mit Asylstatus Knackpunkte. So wird mit einem hohen Finanzbedarf seitens der Gemeinden gerechnet, die Transferzahlungen in diesem Bereich dürften bis zu 15 Prozent steigen. Was die Wohnungen anbelangt, kümmert sich derzeit die Diakonie um die Unterkünfte, die auch in Wörgl berät und hilft. „Das Wohnungsproblem kann die Stadt nicht lösen“, sagt BM Wechner. Und Sozialreferent Kovacevic, zuständig für Wohnungsvergaben, betont auch, dass es hier keine Bevorzugungen von Nichtösterreichern gebe.