Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.09.2016


Gesellschaft

Muslima abgelehnt: “Schulabschluss nur mit Schweinefleisch“

Wirtschaftsschule lehnte muslimische Schülerin ab, weil sie Schweinefleisch nicht abschmecken wollte.

(Symbolfoto)

© Vanessa Weingartner / TT(Symbolfoto)



Wien, Innsbruck – Heimische Tourismus- und Wirtschaftsschulen könnten für gläubige Muslime zur unüberwindbaren Hürde auf dem Weg zur Berufsausbildung werden. Auch wenn Schüler, die eine Schule für wirtschaftliche Berufe oder Tourismus besuchen, aus religiösen Gründen den Konsum von Schweinefleisch und Alkohol ablehnen, müssen sie diese verkosten – sonst können sie nicht positiv abschließen. So hat das Bildungsministerium derartige Schulen informiert. Einem Mädchen, das dies nicht wollte, wurde deshalb die Schul-Aufnahme verwehrt.

Das Mädchen, eine Muslima, wollte eine Bundesschule für wirtschaftliche Berufe in Wien besuchen. Bei der Schulanmeldung sollten die Eltern ein Blatt unterschreiben, wonach im Kochunterricht Schweinefleisch abgeschmeckt und Alkohol probiert werden müsse. Die Eltern wollten das nicht, selbst wenn die Tochter das Schweinefleisch nur abschmecken müsse und dann ausspucken könne.

Die Schule berief sich auf eine Information des Bildungsministeriums. Weil es sich bei der Degustation von alkoholischen Getränken und dem Kochen und Abschmecken von Schweinefleisch „um wesentliche Lehrstoffbereiche handelt, kann ein positiver Abschluss nur dann erreicht werden, wenn der Schüler/die Schülerin die Anforderungen dieser Lehrstoffbereiche im geforderten Ausmaß erfüllt“, heißt es darin. Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, bezeichnet in der Presse die Regelung als „skandalös“. Er sieht Juden und Muslime diskriminiert.

Thomas Geiger von der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Tiroler Wirtschaftskammer (WK) sieht „eine gewisse Einheitlichkeit, die in der Ausbildung gefordert“, verweist aber auf das Recht der „freien Religionsausübung“. Er sieht in diesen Fällen mehr „Fingerspitzengefühl“ von den Schulen gefordert.

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Dieses legte bereits eine andere Wiener Schule für wirtschaftliche Berufe an den Tag, an der die Schülerin nun aufgenommen wurde. Eine Unterschrift wurde dort nicht verlangt. (APA, TT)