Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.09.2016


Gesellschaft

Lehrerausbildung unter neuen Vorzeichen

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Stams sieht sich auch nach der Reform der Lehrerausbildung in einer starken Position.

Auch für Peter Trojer (Leiter Institut für LehrerInnenbildung), Elisabeth Haas (Leiterin Institut für Schulpraktische Studien) und KPH-Rektorin Regina Brandl (v. l.) ist die reformierte Pädagogenausbildung Neuland.

© DaumAuch für Peter Trojer (Leiter Institut für LehrerInnenbildung), Elisabeth Haas (Leiterin Institut für Schulpraktische Studien) und KPH-Rektorin Regina Brandl (v. l.) ist die reformierte Pädagogenausbildung Neuland.



Von Hubert Daum

Stams – Wenn am dritten Oktober die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH) in Stams ihr Wintersemester startet, ist für neue Studierende und auch für den Lehrkörper nichts so, wie es einmal war. Die 2013 begonnene und nun umgesetzte Bildungsreform krempelt die Lehrerausbildung vollkommen um.

Bisher wurden neue Pädagogen für die Volksschulen und Neuen Mittelschulen ausschließlich in den Pädagogischen Hochschulen – eben auch in der KPH – ausgebildet, das Lehramtsstudium für höhere Schulen war an der Universität angesiedelt. Diese klare Trennung gehört nun der Vergangenheit an. Mit der Einführung von Primarstufe (Schüler im Alter von 6 bis 10 Jahren) und Sekundarstufe (11 bis 18 bzw. 19 Jahre) wurde die Ausbildung vom Schultyp entkoppelt. Die Ausbildung zum Lehrer für die Primarstufe, also für die Volksschulen, bleibt weiterhin autark an den Pädagogischen Hochschulen, die Sekundarstufe (Bachelorstudium 4 Jahre, Master 2 weitere Jahre) unterscheidet nicht mehr zwischen NMS, Gymnasium oder anderen Hochschulen.

Für diese Vereinheitlichung wurde der so genannte Entwicklungsverbund West mit den Partnern Universität Innsbruck, Pädagogische Hochschule Innsbruck, Pädagogische Hochschule Vorarlberg, Mozarteum und der KPH mit einem neuen, einheitlichen Curriculum gegründet. „In diesen Pool entsenden nun alle fünf Partner ihre Lehrenden, die Lehrveranstaltungen des neuen, vierjährigen Bachelorstudiums werden je nach Qualifikation besetzt“, präzisiert die Rektorin der KPH, Regina Brandl, „auch die Räumlichkeiten werden im Verbund aufgeteilt. Extreme Mobilität wird sowohl bei den Studierenden, als auch bei den Lehrenden gefragt sein. Entgegen allen Unkenrufen ist die KPH kein Auslaufmodell, sondern hat weiterhin eine starke Position innerhalb dieses Verbun- des.“

Im Volksschulbereich, der bereits im Herbst 2015 vom dreijährigen auf ein vierjähriges Bachelorstudium (Master 1–1,5 Jahre) gestreckt wurde, bleibe man sowieso alleinverantwortlich. Zudem sei das Studium der Religionspädagogik ein Alleinstellungsmerkmal und für die „inklusive Pädagogik“ (Zusatzqualifikation im Primar-, statt des zweiten Fachs im Sekundarbereich) habe man sogar die Studienleitung, wie Peter Trojer, Institutsleiter für LehrerInnenbildung, ergänzt. Trojer: „Unser Lehrkörper zählt zu den höchstqualifizierten aller Hochschulen, er wird geschlossen weiter unterrichten.“ Die Anzahl der inskribierten neuen Studenten für die Sekundarstufe ließe sich KPH-intern nicht mehr eruieren, das Studium der Primarstufe werden zwischen 40 und 45 neu beginnen.

Durch die Streckung des Studiums von drei auf vier Jahre werden 2018 keine Neulehrer für Volksschulen, 2019 keine für die Sekundarstufe (auch NMS) fertig. Möglicherweise ein Problem für weniger gefragte Regionen wie Reutte oder Osttirol.