Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.10.2016


TT-Ombudsmann

„Silvester“ im Herbst: Feuerwerk in Lans regt auf

Pyrotechnische Spektakel werden das ganze Jahr über genehmigt, so auch kürzlich bei einer Hochzeitsfeier in Lans. Der damit verbundene Lärm hat so manchen Bürger böse überrascht.



Lans, Innsbruck – Keine Angst! Sie lesen schon richtig. Wir haben uns nicht in der Jahreszeit geirrt. Das In-die-Luft-Schießen von Feuerwerkskörpern beschränkt sich nämlich längst nicht mehr auf Silvester. Zu feiern gibt es das ganze Jahr über etwas.

So wie jüngst eines Samstagabends in Lans oberhalb von Innsbruck. Schlag 21.15 Uhr krachte und zischte es in dem beschaulichen Dorf mit einem Mal lautstark: Ein Feuerwerk erhellte den Nachthimmel. Sechs Minuten lang.

Einer Anrainerin fuhr ob des plötzlich losbrechenden Lärms der Schrecken in die Glieder. „Bei uns haben die Scheiben geklirrt. So laut und so lange war es noch nie“, macht die Frau gegenüber der TT ihrem Ärger Luft, nicht als Einzige übrigens.

Veranstalter des Spektakels war eines der Lanser Gasthäuser. Dort stieg eine Hochzeitsfeier. Zu Ehren der Vermählten wurde das Feuerwerk himmelwärts geschickt.

An der Abschussrampe stand der Sohn der Wirtsleut­e. Er ist staatlich geprüfter Pyro­techniker. Ein großes Feuer­werk wie dieses darf ohne solche Fachkenntnisse weder gekauft noch entzündet werden. „Es braucht dazu auch die Genehmigung der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck, und diese habe ich natürlich eingeholt“, stellt der Mann auf Anfrage klar.

„Ich habe mich an alle Auflagen gehalten“, betont der Pyrotechniker. Der Abschussplatz sei behördlich genehmigt, die Abstände eingehalten, für Brandschutz gesorgt – und die Anrainer im näheren Umkreis informiert worden. „Wir haben mit den Bauer­n gesprochen, damit diese ihr Vieh in dieser Nacht nicht im Freien lassen“, betont der Feuerwerksexperte.

„Es wird immer jemanden geben, der sich aufregt“, lautet sein Fazit. Öfter als ein- bis zweimal pro Jahr, Silvester mit eingerechnet, finde im Garten des Wirtshauses auch gar kein Feuerwerk statt.

Dies dürfte auch mit den Kosten zusammenhängen. „Ein Feuerwerk dieser Dimension startet bei 1000 und kann bis zu 5000 Euro kosten“, sagt der Wirtssohn. Es ist dabei auch viel Technik im Einsatz. So werden die Kugelbomben per Computer gezündet.

Bürgermeister Benedikt Erhard bedauert, dass das bunt­e Treiben am Lanser Nachthimmel nicht nur Staunen, sondern auch Ärger ausgelöst hat. Den Pyrotechniker nimmt er in Schutz. „Er hat das Feuerwerk ordnungsgemäß und zu einer christlichen Zeit durchgeführt. Das kann man schon tolerieren.“

Die Raketen seien eigentlich für vergangenes Silvester vorgesehen gewesen, weiß der Bürgermeister. Wegen der damaligen Trockenheit mussten die Raketen zum Jahreswechsel jedoch am Boden bleiben. „So hat auch der Wirtssohn auf das Feuerwerk verzichtet, obwohl er die Genehmigung der BH zum Abschuss gehabt hätte“, sagt Erhard.

Persönlich ist der Ortschef „aufgrund des Lärms“ kein Freund von Feuerwerken. Mitspracherecht hatte er am vorletzten Samstag aber ohne­hin keines. „Ich kann nur kleinere Feuerwerke genehmigen oder untersagen.“

Trotzdem zeigt sich Erhard selbstkritisch. „Ich hätte die gesamte Lanser Bevölkerung über das bevorstehende Feuerwerk informieren können. Künftig werde ich das tun.“

Von der BH Innsbruck ist zu erfahren, dass es sogar einen Rechtsanspruch darauf gibt, ein Feuerwerk genehmigt zu bekommen. Eine Reihe von Voraussetzungen muss dazu erfüllt sein. Der Verantwortliche hat über die nötige Ausbildung zu verfügen; in der Nähe gewisser Gebäude (Seniorenheim, Spital, Kirche) ist das Abfeuern verboten.

Anrainer haben keine Möglichkeit, eine Genehmigung zu verhindern. Ihnen bleibt nur die Möglichkeit, sich bei der Polizei zu beschweren. Aber da sind die Raketen schon in der Luft.