Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.09.2016


Gesellschaft

HTL öffnet die Türe für jugendliche Flüchtlinge

Im November startet erstmals im Oberland ein Lehrgang für nicht mehr schulpflichtige Asylwerber. Auch die Sorgen der NMS lichten sich.

© daum



Von Hubert Daum

Imst – Die Flüchtlingsthematik hat viele Facetten, letztendlich kristallisiert sich aber immer wieder das Hauptproblem heraus: fehlende Deutschkenntnisse, vor allem als Voraussetzung für das Berufsleben. Bereits im letzten Jahr richtete das Bildungsministerium an sechs Tiroler Standorten einen „Lehrgang für Jugendliche mit geringen Kenntnissen der Unterrichtssprache Deutsch“ ein, nicht aber im Oberland.

„Wir haben uns bereiterklärt, diesen Lehrgang ab November an unserer Schule anzubieten“, berichtet der Direktor der HTL Imst, Stefan Walch, „ein Lehrgang, der auf die Berufsausbildung vorbereiten soll.“ Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren, hauptsächlich Flüchtlinge, aber auch Geflüchtete, deren Asylverfahren bereits positiv erledigt wurde. Walch: „Eine Voraussetzung ist der Pflichtschulabschluss in Österreich oder in einem anderen Land, wenn Letzteres auch nicht immer leicht zu eruieren ist.“ Der Lehrgang soll im Speziellen auf eine Lehre oder sogar auf eine Ausbildung in einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule vorbereiten. Rund ein Drittel der 31 Wochenstunden ist dem Erlernen der deutschen Sprache gewidmet. Die Räumlichkeiten seien vorhanden, unterrichtet werden die 15 bis 20 Teilnehmer, für die der Lehrgang kostenlos ist, von Lehrpersonen der HTL und der HAK Imst. Man sei nun dabei, gemeinsam mit den Tiroler Sozialen Diensten, der Flüchtlingsbeauftragten und dem Pflichtschulinspektor (PSI) geeignete Jugendliche auszusuchen und zu informieren.

Stichwort Pflichtschule: Bereits vor Schulschluss schlug PSI Thomas Eiterer Alarm: Für Kinder von Asylwerbern gebe es in den Pflichtschulen zu wenige Möglichkeiten, die deutsche Sprache zu erlernen, viele würden nur die Zeit absitzen, es seien auch Analphabeten dabei. In dieselbe Kerbe schlug damals auch Christa Kopp, Direktorin der Sport-MS Imst: „Viele müssen erst alphabetisiert werden.“ Weil dies mit den vorhandenen Personalressourcen nicht machbar sei, begehrten die Pädagogen im Bezirk die Einrichtung einer „Sprachförderungsklasse“, für die das Land Tirol, das sich kooperativ zeigte, weitere Lehrer oder Lehrerinnen bereitstellen sollte.

Am Dienstag tagte zu dieser Causa eine Pädagogenkonferenz. Leiterin Christa Kopp: „Da weniger Flüchtlingskinder als erwartet in die Schulen gekommen sind, ist die geforderte Sprachförderungsklasse nicht mehr notwendig.“ Das Land habe zusätzlich zwei Pädagoginnen genehmigt, die sich künftig neben den zwei bereits bestehenden um die Flüchtlingskinder kümmern werden.