Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.10.2016


Gesellschaft

Flüchtlingsprojekt steht, Pfarre springt mit Grund ein

Die Verträge sind unter Dach und Fach: Bis Frühjahr 2017 sollen 40 weibliche Flüchtlinge samt Kindern in Igls untergebracht werden.

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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Der Grundstücksdeal mit der Agrargemeinschaft Waldinteressentschaft Igls hat sich zerschlagen. Weil man nicht die Zustimmung von 80 Prozent der (mittelbar) betroffenen Nachbarn zustande gebracht hätte, wie Anton Hafele unumwunden zugibt. Dies sei aber eine unabdingbare Forderung der Agrar gewesen, sagt der Sprecher des Vereins „Solidarität Igls“.

Gestern nun stellte der Verein zusammen mit Neue Heimat (NHT), Tiroler Soziale Dienste (TSD) sowie weiteren Projektpartnern im Vorfeld der abendlichen Präsentation für alle Igler das Alternativprojekt zur Unterbringung von Flüchtlingen im Innsbrucker Stadtteil vor.

Anstatt des Agrar- konnte nun ein Grundstück der örtlichen Pfarre an Land gezogen werden. Auf 374 m² Nutzfläche soll östlich des Congressparks auf einer Freifläche bis ins Frühjahr 2017 eine Containersiedlung für 40 geflüchtete Frauen bzw. Mütter mit ihren Kindern aufgestellt werden. Selbige soll als „Gebäude vorübergehenden Bestandes“ für die maximale Dauer von sieben Jahren errichtet und mit einer Holzlattenfassade verkleidet werden. Die NHT gibt die Kosten mit rund 350.000 Euro an. GF Klaus Lugger bestätigt, dass 50.000 Euro davon per Gesellschafterbeschluss aus einer geplanten NHT-Gewinnausschüttung an Stadt und Land in das Projekt fließen werden, der Rest würde aus Eigenmitteln finanziert. Refinanziert werden soll es durch die Mieteinnahmen, welche durch die TSD zu erbringen seien. Der Pfarre würde für die Zurverfügungstellung des Grundstückes ein ideeller Zins von einem Euro/Jahr zukommen.

Dass es in Igls auch kritische Stimmen zur Flüchtlingsunterbringung gibt, sei unbestritten, sagt Hafele: „100 % wird man nie erreichen.“ Gesichert sei aber einerseits der Rückbau der Anlage, ebenso jener von Wasser- und Kanalanschluss. Alle Verträge könnten im Grundbuch eingesehen werden. Was die Kinderbetreuung betreffe habe die Igler Volksschule freie Kapazitäten, beim Kindergarten müsse man noch schauen, sagt Hafele. Dass nur Frauen und Kinder Platz fänden, sei auf Wunsch der TSD erfolgt. Pfarrer Magnus Roth hätte auch Männer aufgenommen, wenn gewünscht. Georg Mackner von den TSD sagt, dass es solche spezifischen Plätze noch benötige – trotz eines reellen Unterkunftleerstandes von derzeit rund 400 TSD-Plätzen in Tirol.

Ein erneutes Nein zu Flüchtlingen in Igls kam gestern von der FPÖ.