Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.10.2016


Schwaz

Nein zum Quartier für Flüchtlinge

Der Ebener Gemeinderat entschied sich mehrheitlich gegen die Unterbringung von Schutzsuchenden im Notburgaheim.

© ZwicknaglNeue Überlegungen für eine Nutzung des Notburgaheimes (Bild) seien notwendig, meint die Provinzoberin nach der GR-Abstimmung.



Von Walter Zwicknagl

Eben a. A. – Auf ein Jahr befristet sollte die Unterbringung von 30 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Notburgaheim in Eben sein, wie es BM Josef Hausberger klar vor der schriftlichen Abstimmung am Donnerstagabend im Gemeinderat formulierte. „Ich persönlich werde für dieses Projekt stimmen“, hatte er im Vorfeld gesagt und seine Meinung auch vor der Abstimmung kundgetan. Sechs Pro-Stimmen, acht Nein-Stimmen und eine Stimmenthaltung gab es schließlich im Gemeindeplenum, was er als klare Entscheidung wertete. „Eigentlich kam das nicht unerwartet. Der Informationsabend tags zuvor hat die Richtung aufgezeigt“, sagt Hausberger und betont: „Bei einer Unterbringung im Notburgaheim hätten wir ein gewisses Maß an Kontrolle und Mitspracherecht gehabt.“

„Wir müssen diese Entscheidung zur Kenntnis nehmen“, stellt Georg Mackner (Tiroler Soziale Dienste GmbH) fest. Man habe sich bemüht, transparent zu sein und Aufklärungsarbeit zu leisten, jetzt heiße es, anderswo die Fühler ausstrecken. Momentan konzentriere man sich aber nicht auf diese Region.

„Das ist sehr bedauerlich. Wir müssen für die Weiterverwendung des Hauses neue Überlegungen anstellen. Als Bildungshaus in der früheren Form ist das Notburgaheim allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu halten, wenn sich die Schwestern auch schwer von dieser Idee trennen können“, sagte Provinzoberin Schwester Johanna Maria Neururer von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern, in deren Besitz das Haus ist, gestern auf TT-Anfrage. Seit drei Jahren beschäftige man sich mit dieser Sache intensiv und habe nach Betreibern Ausschau gehalten. Seit einem Jahr ist das Haus geschlossen.

Die Provinzoberin hatte auch am Informationsabend teilgenommen und die Stimmung im vollen Saal des Gemeindezentrums mitbekommen. „In Tourismusgemeinden ist ein solches Projekt schwer zu realisieren“, sagt sie etwas enttäuscht.