Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.10.2016


inklusive Pädagogik

Lehrern die Bedenken nehmen

Dass Schüler in all ihrer Vielfalt gemeinsam unterrichtet werden, schreckt noch immer viele Eltern, aber auch Lehrer. Eine Vortragsreihe soll die Chancen aufzeigen, die damit verbunden sind.

Inklusion bedeutet nicht, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf sich selbst überlassen werden.

© E+Inklusion bedeutet nicht, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf sich selbst überlassen werden.



Von Gabriele Starck

Innsbruck – Sonderschulen soll es im Jahr 2020 nur noch ganz wenige geben. Ziel ist, Kinder unabhängig von sozialer Herkunft, Sprachbeherrschung, Behinderungen, Fähigkeiten und Begabungen gemeinsam zu unterrichten. Das schreckt Eltern, die um die optimale Förderung ihres behinderten bzw. nicht behinderten Kindes fürchten. Aber das beunruhige auch viele Lehrer, sagt Elmar Fiechter-Alber von der Kirchlichen PH in Stams. Sie befürchteten, dass damit nur Personal eingespart werden soll.

Doch das sei keineswegs so. Es werde immer Lehrer mit Spezialausbildung an der Schule geben. Das sei seit Herbst Bestandteil des Lehramtsstudiums (siehe rechts). Und auch die Fachlehrer würden künftig alle Schüler unterrichten können. Denn inklusive Pädagogik wird auch in die Fachdidaktik miteinfließen – also in jedem Unterrichtsfach ein Thema sein, erklärt Michael Schratz, der Dekan der School of Education an der Uni Innsbruck.

„Damit es funktioniert, ist entscheidend, dass die Lehrer nicht allein gelassen werden“, sagt Anne Ratkzi vom Institut zur Förderung der Teamarbeit und Schulentwicklung in Köln (Vortrag 1. Dezember). Die Lehrerinnen und Lehrer müssten eng zusammenarbeiten, sich gegenseitig bei auftauchenden Problemen beraten und unterstützen. Ratzki spricht aus Erfahrung, hat sie doch seit 1986 an einer Brennpunktschule in Köln inklusiv unterrichtet. Für sie überwiegen die Chancen und positiven Erlebnisse. „Mit ungewohnter Heterogenität in der Schule waren wir außerdem immer wieder konfrontiert“, erinnert sie. In den 1960ern sei die Trennung von Mädchen und Buben aufgehoben worden, in den 70ern seien die Gastarbeiterkinder dazugekommen, später dann auch behinderte Kinder.

Man habe in ihrer Schule den Eltern damals freigestellt, ob sie ihre nicht behinderten Kinder in einer integrativen oder einer Regelklasse unterrichtet haben wollen. Zu ihrer großen Überraschung hätten sich gerade anspruchsvolle Eltern für gemischte Klassen entschieden, erzählt Ratzki und erklärt warum: „Sie haben gemerkt, dass sich dort nicht nur einer, sondern zwei Lehrer intensiv um die Kinder kümmern.“

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Einig sind sich alle drei Lehrerausbildner, dass vom gemeinsamen Lernen alle profitieren. Die Kinder erhalten auf der einen Seite Hilfe und können auf der anderen Seite etwas weitergeben. „Denn alle Kinder bringen Kompetenzen mit, in welcher Richtung auch immer“, sagt Ratzki.