Letztes Update am Fr, 11.11.2016 06:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Diakonie Flüchtlingsdienst

Tiroler Vermietern Sicherheit geben und Brücken bauen

Seit einem Jahr vermittelt die Diakonie anerkannten Flüchtlingen und Asylwerbern Wohnraum in Tirol. Um Vermietern Sicherheit zu geben, tritt die Organisation auch selbst als Mieterin ein.

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© Hackspiel



Von Simon Hackspiel

Innsbruck - Eine Schlüsselphase für jeden Flüchtling ist die Suche nach eigenem Wohnraum, sobald der positive Asylbescheid da ist. Nach Monaten des Wartens im Heim, steht nun der Weg in eine selbstbestimmte Zukunft scheinbar offen. Doch die anfängliche Euphorie kühlt meist rasch ab. Am ohnehin angespannten Tiroler Wohnungsmarkt stehen Vermieter auch anerkannten Flüchtlingen oft skeptisch gegenüber. Das ändert nichts daran, dass diese innerhalb von vier Monaten aus dem Heim ausziehen müssen, um für neue Flüchtlinge Platz zu machen.

Dass in dieser Phase die Zeit drängt, wissen auch die Mitarbeiter des Diakonie Flüchtlingsdienstes nur zu gut. Mit ihren Integrationsstationen in Innsbruck, Wörgl und Imst verstehen sie sich als „Starthelfer“, sowohl bei der Wohnraumsuche als auch bei der Integration in Nachbarschaft und Arbeitswelt. Das Besondere dabei.

Zusätzlicher Anreiz für Vermieter

Um für die Vermieter Anreize zu schaffen und ihnen größtmögliche Sicherheit zu geben, tritt die Diakonie auch anstelle ihrer Klienten als Mieter auf und untervermietet an diese weiter. „Mittlerweile haben wir einen Pool an Integrations-Startwohnungen“, erklärt Einrichtungsleiter Oscar Thomas-Olalde im TT-Gespräch. „Die Diakonie ist für diese rechtlich verantwortlich und muss sich auch um eine Nachbesetzung kümmern, wenn Klienten ausziehen.“ Die Miete aufbringen müssen die Klienten natürlich selbst.

Generell verfolgt die Organisation einen ganzheitlichen Ansatz. Sie versucht, die von ihr betreuten Flüchtlinge „in ein selbstbestimmtes Leben“ zu begleiten und ihnen zu helfen, eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Für viele, die in ihrem eigenen Land alles verloren haben, ist das eine große Herausforderung.

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Wohngemeinschaften als Chance für einzelne Männer

Wegen des übersättigten Wohnungsmarktes in Innsbruck werden vor allem Wohnungen im Ober- und Unterland gesucht. Weil Flüchtlinge mit positivem Bescheid den Gemeinden aber nichts für die Erfüllung der Asylquote bringen, wären hier „neue Anreize für die Bürgermeister“ wichtig, meint Thomas-Oldade. Zudem seien vor allem einzelne Männer schwer zu vermitteln, weshalb die Diakonie sowohl ihren Klienten als auch Vermietern die Vorteile von Wohngemeinschaften ans Herz legt. „Häufig wollen die Leute nicht mehr in WGs, weil sie diese mit dem Heimleben assoziieren“, erläutert Diakonie-Mitarbeiterin Anna Greissing. „Dabei machen wir hier immer wieder sehr positive Erfahrungen.“ (siehe Artikel 1 unten)

Die Zielsetzung der Diakonie lautet, bis Ende 2016 bei 100 bis 150 Wohnungen in Tirol als Mieter aufzutreten. Bislang wurden rund 300 anerkannte Flüchtlinge in fast 100 Wohnungen untergebracht. Finanziert wird das Projekt vom Land und der EU.

Info und Kontakt

Wer Wohnraum entweder als „Spende“ oder für ein Mietverhältnis zur Verfügung stellen möchte, kann Fotos und eine Beschreibung an die Diakonie senden. Nähere Informationen dazu gibt es unter www.fluechtlingsdienst.diakonie.at oder unter der Nummer 0664/8421111

Kleinere Strukturen, positivere Erfahrungen

Im Unterschied zu den Integrationsstationen sucht die Wohnberatung der Diakonie nach Privatunterkünften für Asylwerber, die aus gesundheitlichen oder anderen wichtigen Gründen nicht im Heim bleiben können. Laut der Bereichsverantwortlichen Carina Scheiber bestehen durch solch klein strukturierte Unterbringungen gute Chancen für Gemeinden ihre Quoten zu erfüllen. Zudem hätten diese erfahrungsgemäß deutlich positivere Auswirkungen auf Dorfgemeinschaften als größere Gemeinschaftsquartiere. Privatpersonen, die Wohnraum zur Verfügung stellen, sind bei dieser Variante jedoch mehr Spender als Vermieter. Abgegolten werden pro untergebrachter Person maximal die 150 Euro aus der Grundversorgung. Bislang wurden auf diese Weise rund 250 Personen in verschiedene Unterkünfte vermittelt. (siehe Artikel 2 unten)