Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.11.2016


Gesellschaft

Netze knüpfen für mehr Integration

An Initiativen, Personen und Vereinen mangelt es nicht. Nun soll drei Jahre lang mittels Arbeitsgruppen im Bezirk Imst der Aufbau eines regionalen Netzwerks der unterschiedlichen Integrationsbereiche gelingen.

© DornUnter der Moderation des Büros Co:retis wurden von den Teilnehmern Ist-Zustand und Bedarf diskutiert.



Von Agnes Dorn

Roppen – „Wir wollen die Einzelkämpfer stärken, Brücken schlagen und so eine breite Basis schaffen“, sieht Markus Mauracher vom Regionalmanagement Imst noch Nachholbedarf in der Kooperation. Im Bezirk Imst gibt es, wie anderswo auch, zahlreiche Personen, Initiativen, Organisationen und Institutionen, die sich der Unterstützung von Geflüchteten verschrieben haben. Ein Manko stellt aber auch in Imst bislang dar, dass es zwar viele Spitzenleistungen insbesondere im Ehrenamt gibt, diese aber oftmals untereinander nicht gut vernetzt sind. Darunter finden sich einige besonders engagierte Projekte wie jene zur Sprachförderung oder Freizeitgestaltung. Gerade über die Gemeindegrenzen hinaus fehlt eine Plattform, die regionale Zusammenarbeit ermöglichen würde.

Der erste Schritt zur besseren Vernetzung wurde nun im Zuge eines Regio-Projekts gesetzt, das am Dienstag zu seiner Auftaktveranstaltung lud. Gemeinsam mit fünf anderen Regionalmanagements aus Tirol und einem aus Oberösterreich beteiligt man sich an dem von der EU geförderten transnationalen Projekt, an dem insgesamt fünfzehn ländliche Regionen aus Schweden, Finnland, Deutschland und Österreich beteiligt sind.

Jede Region arbeitet dabei an einem jeweils anderen Schwerpunkt bezüglich Integration. In Imst setzt man ganz auf die verstärkte Vernetzung der verschiedenen Kräfte. „Das Projekt soll nicht nach drei Jahren einfach beendet werden, sondern wir wollen regionale Umsetzungskonzepte, die uns zeigen: Wo braucht es aktuell etwas und wo sind längerfristige Strategien nötig?“, sieht Mauracher großes Potenzial zur Nachhaltigkeit. Und wer wüsste besser, wo es hinkt, als all jene, die tagtäglich in ihrer Arbeit oder ihrem Ehrenamt mit den Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die sich bei der Unterstützung von Geflüchteten ergeben.

Der Einladung zum ersten Workshop folgten zahlreiche engagierte Personen: Neben jenen aus der Steuerungsgruppe, die sich aus Integrationsbüro, Verein Miteinand und dem Regionalmanagement zusammensetzt, fanden sich beim Workshop auch Vertreter der Tiroler Sozialen Dienste, der GemNova, des Jugendzentrums Imst, des AMS, der AK, der Diakonie, des SOS-Kinderdorfs, des Pädagogischen Beratungszentrums sowie zahlreiche ehrenamtliche Helfer ein, um die brennendsten Fragen in Sachen Integrationsarbeit zu diskutieren.

Wer beim Treffen deutlich unterrepräsentiert war, waren die Vertreter der Gemeinden, die durch Abwesenheit glänzten. Außer aus den Gemeinden Umhausen, Imst, Haiming und Arzl war offiziell keine Vertretung gekommen, um beim ersten Workshop mitzuarbeiten.

Gearbeitet wurde zwei Stunden lang sehr produktiv und die Diskussionen an den sechs Tischen brachten bereits erste Ergebnisse: Mehr Begegnungsräume und mehr Ansprechmöglichkeiten für die Freiwilligen in den Gemeinden, bessere Vernetzung über die Gemeindegrenzen hinaus in Form eines überkommunalen Integrationsstammtisches sowie die Einbindung der Betroffenen in die Vernetzungsarbeit fanden sich auf den ersten To-do-Liste­n der Arbeitsgruppen.

Zudem sollte das pauschalierte und häufig mit negativen Aspekten ausgestattete Bild der Flüchtlinge in der Öffentlichkeit korrigiert werden und die Vielfalt der Kulturen als ein Leitfaden für die Region definiert werden.

„Wir sind in dem bestärkt worden, wo wir uns schon gedacht haben, dass ein Mangel herrscht“, zeigte sich Projektleiterin Marlies Trenkwalder vom Freiwilligenzentrum in ihrem Vorhaben bekräftigt, Integration überregional besser zu vernetzen.

Beim nächsten Treffen der Steuerungsgruppe am 21. November wird das weitere Vorgehen besprochen und vermutlich wird es dann im Februar den nächsten Workshop in Sachen Vernetzung der Integrationsarbeit geben.


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