Letztes Update am So, 27.11.2016 17:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Israel

Alle Brände laut israelischer Feuerwehr unter Kontrolle

Manche der Brände sollen gelegt worden sein. Aktive Brandherde gibt es mittlerweile nicht mehr.

Ein Feuerwehrmann in Hadera im Norden Israels.

© AFPEin Feuerwehrmann in Hadera im Norden Israels.



Jerusalem/Ramallah – Die Brände in Israel und im Westjordanland sind nach Angaben der Rettungskräfte unter Kontrolle. Es gebe keine aktiven Brandherde mehr, teilte die israelische Feuerwehr am Sonntag mit. Seit Samstagabend habe sich die Lage beruhigt.

In den vergangenen Tagen hatten in Israel und in jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland mehrere Großbrände gewütet. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

In Haifa, der drittgrößten Stadt Israels, waren 60.000 Menschen vor den meterhohen Flammenwänden in Sicherheit gebracht worden. Sie kehrten inzwischen nach und nach wieder zurück, um den Zustand ihrer Häuser zu begutachten. Behördenangaben zufolge wurden rund 700 Häuser beschädigt oder zerstört.

Auch in der jüdischen Siedlung Halamish bei Ramallah im Westjordanland wurden nach Polizeiangaben dutzende Häuser zerstört oder beschädigt. Weitere Brände waren aus den Siedlungen Dolev, Alfei Menashe und Karnei Shomron gemeldet worden. Die Feuerwehr bekämpfte nach eigenen Angaben rund 2.000 Brände, darunter 20 durch Dürre und starke Winde verursachte Großbrände.

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Auch palästinensische Feuerwehr löschte mit

An den Löscharbeiten beteiligte sich neben den israelischen Einsatzkräften auch die palästinensische Feuerwehr. Auch aus dem Ausland kam Hilfe, unter anderem war das weltweit größte Löschflugzeug aus den USA im Einsatz.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu dankte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas für die palästinensische Unterstützung. Netanyahu habe Abbas am Samstag angerufen und ihm für die Zusammenarbeit gedankt, teilte sein Büro mit. Auch Verteidigungsminister Avigdor Lieberman dankte der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Diese hatte in der Nacht auf Freitag 41 Feuerwehrleute und acht Feuerwehrwagen nach Israel geschickt, um beim Kampf gegen die Flammen zu helfen. Am Samstagabend kehrten sie aus Haifa und dem Gebiet um Jerusalem in das Westjordanland zurück.

Brände könnten gelegt worden sein

Die israelische Polizei vermutet, dass mehrere Brände absichtlich gelegt wurden. Sie nahm 23 Menschen fest und befragte sieben weitere Verdächtige. Israelische Medien spekulierten über palästinensische Brandstifter, die eine „Feuer-Intifada“ gegen Israel führen wollten. Vertreter der israelischen Araber, die 17,5 Prozent der Bevölkerung in Israel ausmachen, wiesen die Vorwürfe scharf zurück. Sie seien von den Feuern ebenso betroffen wie ihre jüdischen Nachbarn, erklärten sie.

Lieberman von der ultrarechten Partei „Unser Haus Israel“ sagte am Sonntag, 17 von 110 Bränden im Westjordanland gingen auf Brandstiftung zurück. Nähere Angaben machte er nicht. Bildungsminister Naftali Bennett, Vorsitzender der nationalreligiösen Siedlerpartei „Jüdisches Heim“, erklärte am Sonntag in Halamish: „Derjenige, der die Brandbombe geschleudert hat – die gefunden wurde –, die das Feuer entzündete, versuchte, die Bewohner einer ganzen Siedlung zu ermorden – nichts weniger.“ Seitens der israelischen Behörden lag zunächst keine Bestätigung einer Brandstiftung in Halamish vor.

Netanyahu will Brandstiftungen verfolgen

Netanyahu hatte am Donnerstag angekündigt, jede Brandstiftung als „Terrorakt“ zu verfolgen. „Jeder Brand, der gezielt gelegt wurde oder nach einem Aufruf zum Hass angezündet wurde, ist ein Terrorakt, wird als solcher behandelt und mit aller nötigen Härte bestraft“, sagte er.

Im Gebiet des palästinensischen Dorfes Deir Nizam nahe der Siedlung Halamish verbrannten dutzende Olivenbäume, wie Bewohner der Nachrichtenagentur AFP mitteilten. Fünf palästinensische Dörfer waren demnach ohne Strom. (APA/AFP)