Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 30.11.2016


Tirol

Ärzte-Bereitschaft wieder auf dünnem Eis

In 35 Sprengeln machen Ärzte nachts unter der Woche Dienst. Wieder einmal hapere es an der Finanzierung, warnt die Ärztekammer.

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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Alle Jahre wieder wäre übertrieben. Aber Ende 2013 wackelte der Ärzte-Bereitschaftsdienst schon einmal. Auch damals schlug die Ärztekammer Alarm, ungefähr zur selben Zeit.

In 35 Sprengeln und damit für 350.000 Einwohner sind wochentags nachts unter der Telefonnummer 141 praktische Ärzte in Bereitschaft. Ein Abdeckungsgrad von 47 Prozent werde damit erzielt, erklärt der Direktor der Ärztekammer, Günter Atzl. 154 Ärzte machen den Dienst mit. Er ist mit 160 Euro pro Nacht für zwölf Stunden Bereitschaft dotiert. Rücken die Ärzte zum Einsatz aus, rechnen sie die Leistung mit der Sozialversicherung extra ab. Der Tarif für die Bereitschaft sei seit 2011 nicht erhöht worden. „Dennoch machen die Honorare die Kassenstellen am Land attraktiver“, sagt Atzl.

Umso ärgerlicher sei es, dass nun wieder einmal nicht klar sei, ob der Dienst auch 2017 aufrechterhalten werden könne. „Die Finanzierung ist noch nicht unter Dach und Fach.“ Es gehe insgesamt um 1,3 Millionen Euro. Im Gesundheitswesen ein überschaubarer Betrag, meint die Ärztekammer. „Es müssen Dienstpläne erstellt werden. Was in der Situation definitiv nicht geht“, kritisiert Atzl. Der Ärztekammer fehlt die Planbarkeit. „Wir hätten gerne einen unbefristeten Vertrag.“

ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg ist zuversichtlich, dass es noch vor Weihnachten zu einer Einigung kommt. Allerdings verweist er auf einen Bericht des Rechnungshofes. Dieser hatte kritisiert, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst nicht zur Entlastung der Spitalsambulanzen geführt habe. Das hätte aber der Fall sein sollen. Nun will Tilg den Bereitschaftsdienst reformieren. Vielleicht müsse man über die Größe der Sprengel nachdenken, meint er.

Bei der Finanzierung mischen zu 13,25 Prozent das Land, zu 25 Prozent die Sozialversicherung und zu 61,75 Prozent der Tiroler Gesundheitsfonds und damit auch die Gemeinden mit. Letztere sind Spitalsträger und hätten sich erhofft, in den Ambulanzen der Bezirksspitäler einen Rückgang zu verzeichnen, wenn nachts ein ärztlicher Bereitschaftsdienst am Land zur Verfügung gestellt würde.

Für den Bereitschaftsdienst spricht sich „auf jeden Fall“ die Tiroler Gebietskrankenkasse aus. Deren Direktor, Arno Melitopulos, ist zuversichtlich, dass es rechtzeitig zu einer Einigung kommt. Dass die Sozialversicherung mehr zur Finanzierung beisteuert, zeichnet sich nicht ab. „Wir haben unseren Anteil in den letzten Jahren bereits verdoppelt“, sagt Melitopulos.

Spitalsambulanzen hätten sich in den Köpfen der Patienten als Anlaufstelle verankert, meint Ärztekammer-Direktor Atzl. Außer in Notfällen sollten Patienten nicht dort landen. Für alle, außer für Notfälle, wäre außerhalb Innsbrucks die Rufnummer 141 zu wählen. Die wollte die Kammer schon vor zwei Jahren besser bewerben. „Da müssen wir nachjustieren“, räumt Atzl ein. Vor Weihnachten treffen sich alle potenziellen Geldgeber und die Ärztekammer wieder. 2013 konnte man sich rechtzeitig einigen.