Letztes Update am Di, 06.12.2016 11:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schule

PISA-Studie: Österreich etwas schlechter und weiter Mittelmaß

Nach dem „Bergauf“ 2012 geht es jetzt wieder „bergab“. In den Naturwissenschaften liegen Österreichs Schüler im OECD-Schnitt, im Lesen darunter und in Mathe darüber.

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Wien – - Österreich hat bei der neuen PISA-Studie etwas schlechter als bei der letzten Erhebung 2012 abgeschnitten und liegt insgesamt weiter im Mittelfeld der OECD-Staaten. Dominiert werden die Ranglisten in den Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik von den fernöstlichen Staaten bzw. Regionen wie Singapur, Hongkong und Japan, zeigt die am Dienstag veröffentlichte Erhebung.

Insgesamt geht Österreich bei PISA durch eine Art Wellental: Nach Punkt-Zugewinnen bei der letzten Studie gab es diesmal Verluste. Im Haupttestgebiet Naturwissenschaften kommen die 15- bis 16-jährigen österreichischen Schüler auf einen Wert von 495 Punkten. Das entspricht in etwa dem OECD-Schnitt (493) und liegt um elf Punkte unter dem Wert von 2012.

Zum Teil könnten die Rückgänge in Österreich und OECD-weit mit einer leicht geänderten Erhebungsmethodik zusammenhängen, heißt es im Österreich-Bericht zur Studie. Erstmals wurden die Aufgaben ausschließlich am Computer durchgeführt. Zeitreihenvergleiche seien daher „mit gewissen Einschränkungen bei der Interpretation verbunden“.

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Ein ähnliches Bild zeigt sich im traditionell schlechtesten Testgebiet der Österreicher, dem Lesen. Hier kamen sie auf nur 485 Punkte, das ist signifikant unter dem OECD-Schnitt von 494. Auch hier zeigt sich die gleiche Wellenbewegung gegenüber den Tests der vergangenen Jahre: 2012 erreichten die österreichischen Schüler noch 490 Punkte (OECD-Schnitt: 496), 2009 waren es 470 (OECD: 494) und 2006 490 (OECD: 489).

Genauso in Mathematik, dem besten Austro-Ergebnis: Diesmal erreichten die österreichischen Schüler 497 Punkte, das ist signifikant über dem OECD-Schnitt von 490. Vor drei Jahren waren es noch 506 Punkte (OECD: 494), 2009 dagegen nur 496 (OECD: 495) und 2006 505 (OECD: 494).

Jeder Dritte ist ein Risikoschüler

Fast jeder dritte getestete Schüler in Österreich gehört in zumindest einem Testgebiet (Lesen, Mathe, Naturwissenschaften) zur Gruppe der Risikoschüler, die „gravierende Mängel“ aufweisen. 13 Prozent sind sogar in allen drei Gebieten in dieser Gruppe zu finden. Insgesamt liegt Österreich mit diesem Wert exakt im OECD-Schnitt.

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Zum Vergleich: In den Nachbarländern Slowenien (23 Prozent), Deutschland (24 Prozent) und der Schweiz (26 Prozent) ist der Anteil der Risikoschüler in zumindest einem Fach deutlich kleiner. In Finnland beträgt er sogar nur 18 Prozent. Ein vergleichbares Bild zeigt sich in der Gruppe der in allen Testgebieten schwachen Schüler: Den 13 Prozent in Österreich stehen etwa nur acht Prozent in Slowenien und sechs Prozent in Finnland gegenüber.

Bei den Spitzenschülern, die auch komplexe Aufgaben lösen können, sieht es ähnlich aus: In Österreich sind 15 Prozent der Schüler in zumindest einem Testgebiet Spitze, im OECD-Schnitt sind es 16 Prozent). Drei Prozent der österreichischen Schüler sind in allen drei Testgebieten top. Hier isst der OECD-Schnitt vier Prozent. In Slowenien gehören 18 Prozent mindestens einer Spitzengruppe an, in Deutschland 19 Prozent, in der Schweiz 22 Prozent und in Finnland 21 Prozent.

Migranten schlechter, große Differenzen nach Geschlecht

Im Kurzzeit-Vergleich kaum auffällig ist das Ergebnis der Migranten: Der Abstand zwischen Schülern ohne Migrationshintergrund und Migranten ist in den Naturwissenschaften mit 70 Punkten exakt gleich geblieben und im Lesen mit 64 Punkten gegenüber 2012 (51 Punkte) etwas größer geworden. Seit der ersten PISA-Studie 2000 haben sich die Abstände zwischen diesen beiden Gruppen aber stark verringert: im Lesen von 93 auf 64 Punkte, in den Naturwissenschaften seit 2006 von 90 auf 70 Punkte. Trotzdem gehört Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den größten Leistungsnachteilen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Insgesamt hat seit 2000 der Anteil der Migranten in der Schülerschaft stark zugenommen - in der PISA-Stichprobe gab es eine Verdoppelung auf 20 Prozent. International ist dieser Migrantenanteil relativ hoch: Im OECD-Schnitt beträgt er 12,5 Prozent. Wesentlich höher liegt er etwa in der Schweiz (31 Prozent) und Kanada (30 Prozent), auf vergleichbare Werte kommen die USA (23 Prozent), Deutschland und Großbritannien (je 17 Prozent).

Gegenüber den letzten Erhebungen deutlich zugenommen hat in Österreich der Geschlechterunterschied in den Naturwissenschaften: Burschen erzielten hier im Schnitt um 19 Punkte mehr als Mädchen - das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2006, 2009 und 2012 und der Spitzenwert in der OECD. OECD-weit sind die Geschlechterunterschiede zugunsten der Burschen mit vier Punkten nur gering. Auffällig: In Finnland erbringen sogar Mädchen um 19 Punkte bessere Naturwissenschaftsleistungen.

In der Mathematik hat die Geschlechterdifferenz zugunsten der Burschen in Österreich leicht von 23 auf 27 Punkte zugelegt, im Lesen hat der Vorsprung der Mädchen von 37 auf 20 Punkte abgenommen. Letzteres dürfte aber mit der neuen Erhebung zu tun haben: Mädchen schnitten schon in den vergangenen Erhebungen beim Lesen elektronischer Texte weniger gut ab als beim Lesen gedruckter Vorlagen. Das kam den Burschen bei der diesmal vollständig am Computer durchgeführten Erhebung zugute.

Nach wie vor schneiden Kinder höher gebildeter Eltern bei PISA wesentlich besser ab: In allen drei Testgebieten erreichten Akademikerkinder um fast exakt 100 Punkte mehr als Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss. Das entspricht etwas mehr als zwei Lernjahren.APA)

PISA-Studie: Fragen und Antworten:

Werden bei PISA alle Schüler in Österreich getestet?
Nein. Der Test umfasst nur eine bestimmte Altersgruppe - nämlich Schüler zwischen 15 Jahren und drei Monaten sowie 16 Jahren und zwei Monaten. Gewählt wurde dieses Alter, weil die Schüler in den meisten Ländern dann am Ende der Pflichtschulzeit stehen. Am Test nehmen auch nicht alle Schüler aus dieser Altersgruppe teil, sondern nur eine Stichprobe. In Österreich waren das diesmal rund 7.000, also knapp zehn Prozent des Altersjahrgangs.

An welchen Schulen wird getestet?
Insgesamt fanden die Tests an rund 270 Schulen statt. Vertreten waren dabei alle Schulformen, die von 15- bzw. 16-Jährigen besucht werden, also AHS, BMHS, Haupt- und Neue Mittelschulen, Polytechnische Schulen, Sonderschulen, Berufsschulen und Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik. Pro Schule wurden höchstens 36 Schüler ausgewählt.

Dürfen alle Schüler mitmachen?
Nein. Ausgeschlossen sind Schüler mit schwerer dauernder körperlicher oder geistiger Behinderung, wenn eine Teilnahme "entweder nicht möglich, ethisch nicht vertretbar oder nicht sinnvoll ist" sowie Jugendliche mit nichtdeutscher Muttersprache, die weniger als ein Jahr lang ordentlicher Schüler sind und derart geringe Sprachkenntnisse aufweisen, "dass ein Verstehen der Anleitungen und der Testaufgaben nicht möglich ist". Nicht getestet werden außerdem Schüler, die zwischen Erstellung der Teilnehmerliste und Test die Schule gewechselt bzw. verlassen haben. Sonderschüler bekommen eine eigene, einfachere Testversion.

Haben Flüchtlingskinder das Ergebnis verzerrt?
Nein. Einerseits wurde bereits im Herbst des Vorjahrs getestet. Andererseits waren außerordentliche Schüler - also jene, die nicht gut genug Deutsch können, um dem Unterricht zu folgen - vom Test ausgeschlossen (siehe oben).

Ist PISA ein Multiple-Choice-Test?
Auch, aber nicht nur. Daneben gibt es auch Aufgabenformate, die eine kurze offene (verbale oder numerische) Antwort erfordern sowie solche, die eine umfassende, längere verbale Antwort benötigen.

Wie lange dauert so ein PISA-Test?
Der Test selbst dauert rund zwei Stunden, anschließend muss ein Fragebogen (ca. 45 Minuten) beantwortet werden.

Gibt es Schulrankings?
Nein. Bei PISA werden die Daten der einzelnen Schüler nicht ausgewiesen. Die Ergebnisse beruhen auf kumulierten Vergleichsdaten.

Gibt es ein Bundesländerranking?
Nein. Einzig Oberösterreich hat für heuer eine eigene Bundesländer-Auswertung (mit entsprechend größerer Stichprobe im Land) beantragt, diese wird 2017 präsentiert.