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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.12.2016


Gute Geschichten zum Advent, Teil 14

Mit Glück, Fleiß und Hilfe in eine bessere Zukunft

Geniales Team: ein 16-jähriger Afghane und sein Caritas-Buddy.

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© Pizzignacco



Innsbruck – „Ich habe so ein Glück gehabt.“ Noch bevor sie richtig beginnt zu erzählen, wie sie dazu gekommen ist, als Buddy mit Ramez zu lernen, betont Sabine Baldermann ihr Glück. Das Miteinander mit dem sechzehn Jahre alten afghanischen Flüchtling und seinen Schwestern „gebe ihr so viel zurück“. Ihre Augen strahlen.

Einmal in der Woche kommt Sabine Baldermann ins Flüchtlingsheim in der Grassmayrstraße und besucht Ramez. Seit vergangenen Juli, also seit sechs Monaten, lernen die beiden gemeinsam Deutsch, und jetzt besucht der 16-jährige Ramez die fünfte Klasse des Reithmanngymnasiums als außerordentlicher Schüler.

An den Morgen, als die Heimleiterin an die Zimmertür seiner Familie klopfte, erinnert er sich genau. „Ramez, guten Morgen, beeil dich, du hast einen Platz im Reithmanngymnasium. Du hast 15 Minuten, dann musst du los“, weckte ihn Ruska Atanasova- Koller. Sie leitet das Heim der Tiroler Soziale Dienste (TSD) und hatte rasch erkannt, dass Ramez nicht nur ausgesprochen intelligent ist, sondern auch unbedingt lernen will.

Das Erste, das ihr auffiel, war, wie flüssig er Englisch sprach, und auch in Deutsch machte er rasante Fortschritte. Sabine Baldermann ist überzeugt, dass ein Grund für die guten Fortschritte der Kinder die enge und gute Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen ist. Gemeinsam unterstützen die TSD-Heimleiterin, die Ehrenamtlichen der NGO refugees learn und Sabine Baldermann als Caritas-Buddy Flüchtlinge beim Deutschlernen. „Das Gymnasium zu besuchen ist auch für Ramez eine große Herausforderung, aber er kann es schaffen“, ist sich Sabine Baldermann sicher. Ramez’ Tage sind voll. Um sechs Uhr in der Früh steht er auf, wiederholt die wichtigsten Dinge, dann geht’s ab in die Schule. Ein Deutschkurs am BFI, Mathe­nachhilfe, Deutsch lernen, Hausübung machen. Die eigene Ungeduld in Zaum halten, erkennen, dass das auch bei größtem Einsatz nicht von heute auf morgen geht, an dem arbeitet Ramez auch. Und er betont, wie dankbar er seinen UnterstützerInnen, den beiden Monikas, Sebastian, Ruska und Sabine ist.

„Mit der Waffe kannst du niemand helfen. Lerne, lerne, lerne“, habe sein Vater den Wert von Bildung immer betont. Zuerst musste der Bub seine Familie und sein Dorf verlassen, weil die Taliban ihn einziehen wollten. Seine drei Schwestern, sein kleiner Bruder und seine Eltern blieben noch. Verwandte in Kabul nahmen ihn auf, er und seine Eltern hofften, dass er dort sicherer sei. Ramez befolgte den Rat seines Vaters und konzentrierte sich ganz auf seine Ausbildung. Aber selbst in der Anonymität der Hauptstadt gelang es den Taliban, ihn ausfindig zu machen. Dann sollte seine älteste Schwester zwangsverheiratet werden. Die Eltern sahen ihre einzige Hoffnung darin, mit ihren Kindern die Heimat zurückzulassen und zu flüchten. Wenn Ramez von der ein Jahr lang dauernden Flucht erzählt, spürt man, wie schwer es war. Am Ende entschuldigt er sich: „Ich möchte euch nicht traurig machen mit meiner Geschichte, wir wollen ja eine gute Geschichte machen.“ Ramez’ Geschichte ist auf dem besten Weg, gut zu werden. (TT)