Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.12.2016


Innsbruck

Notaufnahme der Klinik: An der Grenze der Belastbarkeit

Grippewelle, Viruserkrankungen und mehr: In der Notaufname müssen Notbetten aufgestellt werden.

Hochbetrieb in der Notaufnahme des MZA: Grippewelle und Magen-Darm-Erkrankungen sind zwei Ursachen dafür.

© Thomas BöhmHochbetrieb in der Notaufnahme des MZA: Grippewelle und Magen-Darm-Erkrankungen sind zwei Ursachen dafür.



Von Marco Witting

Innsbruck – Betten im Gang, Hochbetrieb in der Notaufnahme, manche Patienten müssen stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Internistische Notaufnahme im Medizinzentrum Anichstraße (MZA) gerät derzeit täglich an die Grenze der Belastbarkeit – sowohl das Personal als auch die Kapazitäten betreffend. Zwischen 130 und 150 Patienten täglich werden hier versorgt. Auch wenn nach Klinikangaben das System diese Zahlen auffangen kann – so müssen derzeit teilweise auch Notbetten aufgestellt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig – und liegen auch am Gesundheitssystem.

„Wir haben es einerseits mit einer ansteigenden Grippewelle zu tun. Zweitens gibt es derzeit viele Fälle von Magen-Darm-Grippe oder Noro-Viren und dann gibt es rund um diese Zeit auch viele soziale Indikationen“, sagt Oberarzt Frank Hartig. Was der Mediziner so elegant umschreibt, sind Fälle, in denen rund um die Weihnachtszeit ältere Menschen in die Klinik gebracht werden, um eine Abklärung durchzuführen. Wobei man von Klinkseite niemandem „Missbrauch“ unterstellen will. Doch die drei Faktoren führen zu Engpässen. „Das kann dazu führen, dass die armen Heiter [sic], die stabil sind und mit einer angehängten Infusion versorgt werden, einige Stunden am Gang sitzen müssen“, erklärt Hartig.

Drei Grundregeln speziell für die Magen-Darm-Erkrankungen gebe es – und die könnten schon vorab für ein weiteres Ausbreiten verhindern. Hartig: „1. Hände waschen. 2. Hände waschen. Und 3. Hände waschen.“ Klar sei auch, dass es Patienten gibt, die man nicht nach Hause schicken könne, weil sie dort alleine auf sich gestellt wären. Andererseits erklärt Hartig aber auch, dass ein Teil der Patienten nicht die Notaufnahme besuchen müsste, sondern auch bei einem Praktiker gut aufgehoben wäre. Doch einige Allgemeinmediziner haben in dieser Woche schon geschlossen und somit verlagert sich vieles in die Notaufnahmen.

Und Hartig erklärt in diesem Zusammenhang auch: „Die Hemmschwelle, in die Notaufnahme zu kommen, ist bei jungen Leuten deutlich geringer. Manchmal kommen Patienten mit Schlafstörungen daher – oder Manager, die untertags keine Zeit hatten, zum Arzt zu gehen, und wollen eine Abklärung.“ Natürlich müsse dann alles Mögliche unternommen werden, um die Menschen zu behandeln. Zumindest in dieser und der nächsten Woche erwartet der Oberarzt auch keine Besserung der Situation. Speziell bei der klassischen Grippewelle stehe man erst am Anfang.