Letztes Update am Fr, 30.12.2016 13:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erdbeben

Tirol ist Erdbeben-Hochburg 2016, insgesamt mehr Beben in Österreich

Im Jahr 2016 wurden mit dem Stationsnetz des Österreichischen Erdbebendienstes der ZAMG 1.250 Erdbeben in Österreich lokalisiert, davon konnten 61 von der Bevölkerung verspürt werden.

(Symbolfoto)

© APA(Symbolfoto)



Wien, Innsbruck – Das Jahr 2016 brachte in Österreich relativ viele Erdbeben, die von der Bevölkerung verspürt wurden. „Wir haben heuer zu 70 Erdbeben Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen, 61 davon hatten das Epizentrum in Österreich“, sagt Seismologe Helmut Hausmann von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), „das ist deutlich über dem Durchschnitt der letzten 16 Jahre mit etwa 46 verspürten Beben pro Jahr.“ Darüber hinaus wurden in Österreich vier Erdbeben aus der Region Mittelitalien, zwei Ereignisse aus der Schweiz sowie jeweils eines aus Deutschland, Slowenien und Liechtenstein wahrgenommen. Diese Beben waren in Österreich durchwegs relativ schwach zu spüren.

Die mit Abstand meisten gefühlten Erdbeben Österreich, nämlich 24, ereigneten sich in Tirol. An zweiter Stelle liegt Niederösterreich mit 15 spürbaren Erschütterungen. In der Steiermark und in Vorarlberg gab es heuer sieben gefühlte Erdbeben, fünf ereigneten sich in Oberösterreich, zwei in Kärnten und eines im Burgenland. In Kärnten gab es auch 2016 wieder deutlich weniger Erdbeben als im langjährigen Durchschnitt.

Das stärksten Erdbeben in Tirol gemessen

Auch die stärksten österreichischen Beben ereignete sich 2016 in Tirol. Ein Erdbeben der Magnitude 3 erschreckte am 15. Jänner gegen 22 Uhr Uhr zahlreiche Menschen im Tiroler Inntal, im Stubaital und im Wipptal. Das Epizentrum lag nördlich von Fulpmes. Es gingen etwa 1.400 Meldungen über das Online-Wahrnehmungsformular ein, davon stammten etwa 600 aus Innsbruck. Das Beben wurde besonders in höheren Stockwerken zum Teil kräftig verspürt. In Einzelfällen wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet.

Epizentralintensität (Intensität an der Erdoberfläche über dem Bebenherd) aller von der Bevölkerung verspürten Beben.
Epizentralintensität (Intensität an der Erdoberfläche über dem Bebenherd) aller von der Bevölkerung verspürten Beben.
- ZAMG

Im Raum Seefeld/Zirl wurden am 22. Juli zwischen 12:20 und 14:06 Uhr sechs Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen. Das stärkste ereignete sich um 14 Uhr, hatte eine Magnitude von 3,2 und wurde mit einer Intensität von 4 Grad auf der EMS-98 deutlich verspürt. Die übrigen Beben wurden etwas schwächer wahrgenommen.

Die Graphik zeigt, wie viele verspürte Erdbeben sich in den einzelnen Bundesländern bzw. im angrenzenden Ausland im Jahr 2015 ereignet haben.
Die Graphik zeigt, wie viele verspürte Erdbeben sich in den einzelnen Bundesländern bzw. im angrenzenden Ausland im Jahr 2015 ereignet haben.
- ZAMG

Drei Tage später, am 25. Juli, folgte ebenfalls gegen 14 Uhr das kräftigste Beben dieser Serie. Bei einer Magnitude von 3,5 wurde eine Intensität von 4-5 Grad erreicht. Die Erschütterungen waren zum Teil erschreckend. Es wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet. Zwei Minuten später folgte ein schwaches Nachbeben mit einer Magnitude von 2,3. Diese Serie wurde von 127 schwachen, nur von den empfindlichen Messinstrumenten der ZAMG registrierten, Erdbeben begleitet.

Serien für hohe Bebenzahl verantwortlich, kaum Schäden

Der Grund für die vielen in Österreich gemessenen und verspürten Beben im Jahr 2016 waren einige Bebenserien im Osten und Westen. „Alleine während der Erdbebenserie bei Seefeld wurden acht Beben von der Bevölkerung verspürt“, sagt ZAMG-Experte Hausmann, „bei der Serie bei Alland sieben, und die Serie bei Klösterle brachte sechs spürbare Beben.“

Die Erdbeben im Jahr 2016 verursachten in Österreich nahezu keine Schäden. Nur bei den zwei am stärksten spürbaren Beben des Jahres (bei Alland am 25. April und bei Klösterle am 31. Jänner) wurden vereinzelt leichte Risse im Verputz oder abgesplitterte Verputzteile gemeldet, aber keine strukturellen Gebäudeschäden.

Kein Trend zu mehr Erdbeben erkennbar

Ein langfristiger Trend zu immer mehr Beben lasse sich aber nicht beobachten, sagt Seismologe Hausmann: „Die Zahl der gefühlten Beben in Österreich schwankt von Jahr zu Jahr stark. Denn tektonisch ruhige Phasen wechseln sich von Zeit zu Zeit mit aktiveren Perioden ab. 2015 und 2014 zum Beispiel gab es nur zwischen rund 40 und 50 verspürten Beben, 2013 waren das dagegen rund 70.“

Verheerendes Beben in Mittelitalien und Atomtests in Nordkorea

Unter den rund 10.000 Erdbeben, die das Messnetz der ZAMG weltweit registrierte, waren auch die schweren Erdbeben in Mittelitalien. Seit 24. August 2016 wurden von der ZAMG in Mittelitalien über 1.500 Beben gemessen. Rund 50 davon hatten eine Magnitude zwischen 4 und 5, fünf Beben wiesen Magnituden größer 5 auf. Die Gebirgsregion des zentralen Apennins wurde in der zweiten Jahreshälfte von einer Serie von schweren Beben heimgesucht, die insgesamt 298 Todesopfer und knapp 400 Verletzte forderte. Schwere Schäden waren in zahlreichen Gemeinden im Grenzgebiet der Regionen Latium, Umbrien, Marken und Abruzzo zu beklagen.

Am 6. Jänner und am 9. September 2016 registrierte die ZAMG seismische Signale aus Nordkorea. Die Signale waren laut Angaben der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) Atomtests. Die seismischen Wellen dieser Explosionen erreichten Österreich nach rund 11 Minuten.

Die ZAMG ist Teil des weltweiten Kontrollnetzes zur Überwachung des Verbots von Kernwaffentests, das von der CTBTO organisiert wird. Die CTBTO ist die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization) und hat ihren Sitz im „Vienna International Centre“ in Wien. (TT.com)