Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.02.2017


Innsbrucker Bischof

Kardinal verschnupft, Rom hat fünf Kandidaten zur Wahl

Kritik von Diözesanadministrator Bürgler offenbart Bruchlinien: Nuntius hat diesmal Fünfer-Vorschlag nach Rom übermittelt, Schönborn bremst.

© imago stock&peopleFünf Bischofskandidaten für die Diözese Innsbruck hat Papst Franziskus zur Auswahl. Doch hinter den Kulissen wird die Entscheidung blockiert.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Kritik von Diözesanadministrator Jakob Bürgler an der Dauer der Bischofsernennung in Innsbruck sorgt kirchenintern für heftige Diskussionen. Hochrangige Würdenträger fühlen sich weltlich gesprochen auf den Schlips getreten. Obwohl Bürgler nur die Stimmung in der Diözese Innsbruck ausgedrückt hat.

Trotzdem lösten seine Aussagen rege Betriebsamkeit aus. Die römische Bischofskongregation bzw. der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, versucht jetzt, den Spieß umzudrehen. Nach dem Motto: Innsbruck soll nicht so ungeduldig sein, schließlich hat es einen umfassenden Befragungsprozess gegeben. Und nicht drei, sondern sogar fünf Bischofskandidaten sind diesmal vom gesundheitlich angeschlagenen päpstlichen Botschafter, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, nach Rom zur Auswahl übermittelt worden.

Doch an der Blockade bei der seit Monaten überfällige Bischofsernennung ändert das nichts. Wie berichtet, soll der Vorschlag des Nuntius ausschließlich gebürtige Tiroler Kleriker beinhalten. Als Favorit gilt nach wie vor Jakob Bürgler. Der 49-Jährige war Generalvikar unter dem im Jänner 2016 nach Linz abberufenen Oberhirten Manfred Scheuer. Weiters dürfte sich mit dem Pfarrer von Innsbruck-Allerheiligen und Bibelwissenschafter Franz Troyer ein klassischer Seelsorger auf Zurbriggens Liste befinden. Vielleicht gesellt sich noch ein langjähriger Seelsorger dazu: der Regens des Priesterseminars, Roland Buemberger. Er war zuvor Pfarrer in Zirl und ist Stellvertreter von Jakob Bürgler im Konsultorenkollegium der Diözese.

Der Direktor des Kardinal-König-Hauses in Wien, Christian Marte, ist gebürtiger Vorarlberger, hat jedoch in Innsbruck studiert und für kurze Zeit das Jugendzentrum „mk“ geleitet. Doch den Jesuiten hat die Gesellschaft Jesu offenbar selbst aus der Bischofsnachfolge genommen. Das könnte für Bürglers Bruder, den Jesuitenprovinzial Bernhard Bürgler, ebenfalls gelten.

Es ist ein offenen Geheimnis, dass sich Landtagspräsident Herwig van Staa (VP) für den Abt von Stift Wilten, Raimund Schreier, als neuen Oberhirten ausspricht. Doch der ist als Abt nicht mehr ganz unumstritten. Unabhängig davon hält man in der Diözese politische Fürsprachen für abträglich.

Kardinal Schönborn soll seinerseits über die Empfehlungen des Nuntius nicht gerade begeistert sein. Er möchte ein gewichtiges Wort mitreden und favorisiert wie schon bei den Ernennungen von Alois Kothgasser (1997) und Manfred Scheuer (2003) einen ausgewiesenen Religionswissenschafter einer Katholischen Hochschule. Und dass von der Diözese Innsbruck neben Jakob Bürgler mit Franz Troyer ein ehemaliges Mitglied der Pfarrerinitiative als einer von drei Kandidaten genannt wird, dürfte der Kardinal ebenfalls nicht gutheißen.

Und Rom? Gegenüber der Diözese hat der Nuntius sein Versprechen gehalten und diesmal Würdenträger mit Tiroler Wurzeln vorgeschlagen. Wie der Innsbrucker Theologe Roman Siebenrock so treffend analysiert, sind die Reformabsichten von Papst Franziskus in der zuständigen Bischofskongregation offenbar noch nicht angekommen. Vor allem, was die Wünsche und Mitsprache der Ortskirche betrifft.

So gesehen heißt es weiterwarten und spekulieren – vielleicht sogar bis Ostern.