Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.02.2017


Osttirol

Wetter machte es den Jägern schwer

Durch den schönen Herbst und warmen Winter verstreute sich das Wild in Osttirol weitum. Dennoch konnten die Jäger für 2016 gute Abschussquoten erreichen. Nur das Wildschaf blieb gewohnt scheu.

Rehwild ist das am häufigsten bejagte Wild in Osttirol. Knapp 3000 Tiere waren auf der Abschussliste, erfüllt wurden 95,6 Prozent.

© jägerverbandRehwild ist das am häufigsten bejagte Wild in Osttirol. Knapp 3000 Tiere waren auf der Abschussliste, erfüllt wurden 95,6 Prozent.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Im abgelaufenen Jagdjahr war es für Osttirols Waidmänner nicht leicht, die Vorgaben der Behörde bei den Abschüssen zu erfüllen. Fünf Kategorien listet das Land auf: Gams, Mufflon, Reh, Rotwild (Hirsche) und Steinwild (Steinböcke). „Der Herbst war sehr schön und auch im Winter war es warm“, sagt der Osttiroler Bezirksjägermeister Martin König. Dadurch konnte das Wild viel herumwandern und sich weitum verstreuen, statt wie in strengen Wintern nahe bei den Futterstellen zu bleiben.

Eine Wildart machte es den Jägern besonders schwer: das Mufflon oder Wildschaf. „Es kommt bei uns nur in Ober- und Untertilliach vor und ist extrem scheu“, erklärt König. Von dort wechseln die Tiere auch immer wieder nach Südtirol, weil sie gute Wanderer sind. Sechs Mufflons, so lautete die Abschussvorgabe, also das Plansoll (siehe Grafik). Drei davon konnten letztlich erlegt werden. Zum Vergleich: Im Bezirk Kufstein lautete die Vorgabe auf zehn Wildschafe, erlegt werden konnten nur zwei. In Kitzbühel und Reutte kommen Mufflons so gut wie gar nicht vor.

Am häufigsten und flächendeckend ist in Osttirol das Rehwild anzutreffen, gefolgt von Gämsen. Entsprechend hoch ist das Plansoll, was die Abschüsse betrifft. 2981 waren es beim Rehwild, 1864 bei den Gämsen. Das Land weist in jeder Tiergruppe die so genannte „Gesamterfüllung“ in Prozent aus. Darin enthalten sind nicht nur erlegte Tiere, sondern auch das Fallwild, also etwa von Autos überfahrene oder erfrorene Tiere. Mit einer Quote von 95,6 Prozent bei den Rehen und 92,1 Prozent bei den Gämsen gab es 2016 in diesen beiden Gruppen keine Auffälligkeiten. Beid­e Quoten liegen über dem Tiroler Schnitt.

Anders sieht es beim Rotwild aus. Von 762 Exemplaren als Vorgabe konnten letztes Jahr in Osttirol 593 geschossen werden, 27 Stück waren Fallwild. Die Erfüllungsquote von 81,4 Prozent ist nach Land­eck die zweitniedrigste aller Tiroler Bezirke.

Rotwild wird deshalb so genau beobachtet, weil es im Wald große Schäden anrichten kann. Mit den Zähnen ziehen die Tiere die Rinde von den Bäumen, Fäulepilze dringen ein und machen den Baum kaputt. Wenn man weiß, dass der Wald etwa in Osttirol zu zwei Dritteln Schutzwald ist, so ist der Wunsch von Forstleuten und Waldbesitzern nach möglichst vielen Abschüssen verständlich.

König verwehrt sich jedoch dagegen, die Erfüllungsquote als einzigen Maßstab zu sehen. „Die beste Quote nützt nichts, wenn man dennoch Schäden hat“, sagt er. „Außerdem ist die Zahl der vorgegebenen Abschüsse immer sehr hoch angesetzt, zuletzt war sie um 50 höher als noch das Jahr davor“, meint er. Durch immer mehr Wald- und Naturnutzer werde der Druck auf das Wild stärker und stärker. „Früher ist das Rotwild im Winter ins Tal, in die Auen gezogen, das ist heute nicht mehr möglich“, so der Bezirksjägermeister.

Die fünfte Gruppe, das Steinwild, ist hauptsächlich in der Nationalparkregion Hohe Tauern anzutreffen. Auch hier liegt die Erfüllungsquote über dem Landesschnitt.

Frauen holen auf

Jungjägerprüfung. Wer einen Jagdschein anstrebt, hat jedes Jahr Gelegenheit, sich in Kursen des Jägerverbandes das nötige Wissen anzueignen. Im Bezirk Lienz findet die praktische Schießprüfung heuer am 30. März in Lavant statt. Die theoretische Prüfung folgt am 4. und 5. April in der BH Lienz.

Anmeldungen. Bis zum Anmeldeschluss letzten Freitag hatten sich 18 Frauen und 45 Männer angemeldet. Dabei haben die Frauen aufgeholt. Im Vorjahr waren es nur sieben gewesen (und 45 Männer), im Jahr 2015 waren es zehn Frauen (und 29 Männer).

Lernstoff. Die Jungjäger müssen bei der Prüfung das Jagdgesetz und alle rechtlichen Vorgaben kennen. Weitere Fächer sind Waffenkunde, Wildverhalten, die Eckpunkte von Jagdbetrieb und Wildbret sowie die Funktion von Forst und Schutzwald.

149 Jagden. In Osttirol gibt es 149 Jagden, davon viele Eigenjagden. Das größte Revier ist in Kals.