Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.02.2017


Bezirk Imst

„Flitschelar“ bitten zur Maschgarade

Zum Finale des Jahres der kleinen Fasnachten feiern die Sautner im Vorderen Ötztal am Sonntag. Der „Flitschelarlauf“, bisher im Schatten der größeren Fasnachten, ist mit anderen Umzügen kaum vergleichbar.

© MaschgararvereinImmer ein Aha-Erlebnis: die mächtigen „Flitschelar“, Namensgeber der Sautner Fasnacht.Foto: Maschgararverein Sautens



Von Hubert Daum

Sautens – Seit wann gehen denn die Sautner in die Fasnacht? „In die Fasnacht gian ondere, bei ins weart g’maschgert“, klären die „Maschgarar“ aus dem Vorderötztal auf. Bald wird klar: Sautens ist anders als die anderen. Auch in der „Vermarktung“ der Fasnacht. Obmann Richard Prantl: „Wir haben nie viel Medienrummel betrieben, der Umzug, der bei uns Maschgarade heißt, war eher etwas für die Dorfleute.“ Man sei zwar ein kleines Fasnachtsdorf, aber die Begeisterung sei so groß wie bei den Großen.

Die Kritik des Wildwuchses von Fasnachten, die man da und dort aus der Richtung Imst oder Nassereith hört, lassen die Sautner nicht gelten. „Bei uns wurde immer schon g’maschgert“, klärt Obmannstv. Adolf Kutzler auf, „es existieren historische Quellen im Archiv des Stiftes Stams aus dem Jahre 1823, das älteste Foto, das auch in unserem Fasnachtsbuch abgedruckt ist, ist datiert mit dem Jahr 1924. Seit 1981 organisieren wir geordnete Masch­garaden.“

Auch wenn beim Flitschelarlauf – benannt nach der Hauptfigur – der Bär los sein wird: Seit vergangenem Samstag sind die Bären nicht mehr los, denn da wurden sie „ing’fongen“. Seit diesem Ritual, bei dem der „Bearntolar und sei Weibele“ aus dem Bearntol ins Dorf kommen, ist es amtlich: Der Flitschelarlauf kann stattfinden, die Zylinderträger, die die Obrigkeit verkörpern, übergaben das Zepter den Maschgararn.

Seit Monaten ist das „ganze Dorf rebellisch“, wie es Obmann Prantl ausdrückt, „regelmäßig verhockt man bei den Proben, oft mit dem eigens kreierten Maschgara­schnapsle“. Alle „Mühen“ also für den großen Tag: Am Sonntag werden elf Gruppen an den Aufführungsplätzen zu sehen und hören sein, insgesamt seien rund 360 Leute und exakt 182 Masken im Einsatz, also jeder dritte Dorfbewohner. 15 davon haben die besondere Ehre, die Hauptfigur, den „Flitschelar“, als Frühlingssymbol darzustellen, dessen pompöses Auftreten beim ersten Anblick die Kinnlade offen stehen lässt. Berechtigt, denn das Kostüm wird so aufwändig gefertigt, wie es aussieht: In rund 250 Stunden werden auf einen Overall zwischen 3500 und 5000 „Flitschenknöpfe“ (Deckblätter eines Maiskolbens) genäht. „Anziehen kannst du das 40 Kilogramm schwere Gewand nur im Liegen“, schildert Komiteemitglied Martin Knoflach, „und wehe, du fallst beim Umzug um, dann bist du Maikäfer.“

Aber nicht nur Flitschelar, sondern auch Fetzelar, Schallelar, Singeslar, die Bajazzl, die Laninger, die Hexen, die Bearntolar-Gruppe, die Schandi, die Strossenkehrar und die Wägen werden sich im Ortsteil Pirchhof versammeln und gespannt das Mittagsgeläut erwarten. Nach dem traditionellen Schuss geht’s los mit dem Bärenreim und dem uraufgeführten Masch­garamarsch der Musikkapelle in Richtung Dorfmitte, wo um 13 Uhr vor der Ehrentribüne die erste Aufführung erwartet wird. Jedenfalls ein großes Schauspiel, das endlich vor den Vorhang geholt werden muss.