Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.02.2017


Bezirk Reutte

Bichlbacher Mieter fühlen sich im Stich gelassen

Bewohner eines Mehrparteienhauses klagen über Missstände und fordern eine Mieterversammlung. Der Bauträger selbst weist die Vorwürfe zurück. Noch im Frühjahr soll es aber eine Aussprache geben.

Übervolle Müllcontainer, zugeschneite Parkplätze, feuchte Wände in der Garage, Wasser im Keller: Die Mieter sind verärgert.

© Campestrini, Montage: TTÜbervolle Müllcontainer, zugeschneite Parkplätze, feuchte Wände in der Garage, Wasser im Keller: Die Mieter sind verärgert.



Von Simone Tschol

Bichlbach – Ein nagelneuer Wohnblock – das Glück stand den Mietern der 17 Einheiten im Mehrparteienhaus in Bichlbach Stuck im November 2015 regelrecht ins Gesicht geschrieben. Inzwischen haben sich die Mienen verfinstert.

Bauliche Mängel an den Wohnungen selbst gibt es keine. Rundherum aber kranke es an allen Ecken und Enden. Nino Campestrini, einer der Bewohner, schildert gegenüber der TT: „Wenn irgendwas kaputt ist, kann oder will es der Hausmeister nicht reparieren, weil er sagt, dass er dafür nicht bezahlt wird.“ Dreimal sei in den letzten Monaten die Heizung ausgefallen, kein Warmwasser zur Verfügung gestanden. „Aber auch da ist anscheinend niemand zuständig. Der Hausmeister hat selbst gesagt, dass er das Handy ausschaltet, weil ihn sonst so viele Leute anrufen“, schüttelt der Mieter verständnislos den Kopf.

Auch beim Bauträger, der „Wohnungseigentum – Tiroler gemeinnützige Wohnbaugesellschaft“ (WE), finde sich kein Ansprechpartner. „Wenn man dort anruft, wird man nur weiterverbunden oder vertröstet. Wir haben sogar schon Unterschriften für eine Mieterversammlung gesammelt. Bei solch einem Treffen könnte man die Dinge ausdiskutieren. Aber auch das wurde bislang von der WE ignoriert“, so der Bichlbacher.

Die Beschwerdeliste könne beliebig fortgesetzt werden: Das Haus werde so gut wie nie gereinigt, die Schneeräumung im Winter sei mehr als mangelhaft. „Und außerdem sieht es bei uns öfter aus wie in Klein-Neapel, weil der Müll nicht entsorgt wird.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Zu Beginn sei geplant gewesen, dass jede Partei sich eine eigene Mülltonne anschafft. Jetzt sei aber doch ein großer Container für alle Mieter vorhanden. „Dieser quillt immer wieder über. Wir haben uns schon zusammengetan und den Container selbst zur Abholstelle geschoben. Aber im Winter, bei fehlender Schneeräumung, ist das nicht möglich“, sagt Campestrini.

Auch Reparaturen würden sich ewig hinziehen. „Die Brandschutztür im Keller und die Eingangstür waren über Monate kaputt, das hat niemanden interessiert. Im Keller hatten wir einen Wassereinbruch und auch die Pumpe in der Tiefgarage funktioniert nicht. Da zieht das Wasser teils die Wände hoch. Stattdessen haben wir von der WE einen Brief bekommen, dass wir den Spielplatz aufräumen und Müll trennen sollen.“

Ilse Unterrainer, Leiterin der Hausverwaltung, will die Vorwürfe nicht unkommentiert lassen und erklärt: „Aufgrund widersprüchlichster Meldungen vonseiten der Bewohner wurden zuletzt mehrfach Begehungen der Wohnanlage durchgeführt. Wir haben dabei festgestellt, dass das Haus allen Anforderungen entspricht.“ Sie habe vielmehr den Eindruck, dass innerhalb der Mieterschaft wenig Kommunikation stattfindet und dass das gegenseitige Misstrauen groß ist. „Es wurden beispielsweise auch Türen absichtlich mehrfach beschädigt. Die Mülltrennung wird von einzelnen Parteien überhaupt nicht durchgeführt“, so die Hausverwalterin. Zum Thema Müll habe es mit dem Bürgermeister bereits Besprechungen bezüglich einer Umstellung auf Einzeltonnen gegeben. Unterrainer: „Damit hoffen wir, das Konfliktpotenzial zu beseitigen.“

Für die Betreuung der Wohnanlage sei ein professionelles Hausmeisterservice beauftragt. Unterrainer: „Zu dessen Hauptaufgaben zählen die Sauberhaltung der Wohnanlage im Innen- und Außenbereich, die Verrichtung der Winterdienste, die Grünanlagenbetreuung bzw. die optische Heizraumkontrolle. Es zählt nicht zu seinen Aufgaben, etwas zu reparieren. Dazu beauftragen wir Fachfirmen.“

Die Heizung werde über eine Fachfirma fernüberwacht. Das heiße, dass die Störung – bevor es zu einer Auskühlung komme – registriert wird und schnellstmöglich Abhilfe geschafft werde. Unterrainer: „Selbstverständlich sind wir bemüht, die Anzahl der Stör­einsätze durch Wartungs- und Überprüfungsarbeiten gering zu halten.“

In der Tiefgarage befinden sich Verdunstungsrigolen. „Das bedeutet nicht, dass Wasser dort automatisch abgepumpt wird. Es ist üblicherweise völlig ausreichend, das Wasser dort verdunsten zu lassen. Es wurde aber über die Fahrzeuge so viel Wasser in die Tiefgarage eingetragen, dass die Rigolen dieses nicht mehr aufnehmen konnten. Das Auspumpen wurde zwar beauftragt, aufgrund der tiefen Temperaturen im Jänner konnte es aber nicht sofort erledigt werden“, beschreibt Unterrainer und fügt abschließend hinzu: „Zudem fassen wir – gemeinsam mit dem Bürgermeister – eine Aussprache aller Bewohner spätestens im Frühjahr ins Auge.“