Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.03.2017


Osttirol

Diskussion in Lienz: Kopftuch ja, Burka nein

Eine Diskussion in Lienz mit einer Ordensfrau und einer Syrerin ergab: Die meisten Zuhörer haben mit dem Kopftuch kein Problem. Kulturelle Herausforderungen gibt es dennoch.

null

© Oblasser



Von Catharina Oblasser

Lienz – Mit 18 hat sich Ha­neen Alsaleh, gebürtige Syrerin, entschlossen, das Kopftuch zu tragen. Und das völlig freiwillig, wie sie versichert. Die heute 20-jährige Muslimin ist weder streng religiös noch konservativ, sagt sie. Es war eine persönliche Entscheidung.

Eine solche persönliche Entscheidung hat auch Beatrix Mayrhofer getroffen, als sie Ordensfrau wurde. Heute ist Mayrhofer Präsidentin der österreichischen Frauenorden und arbeitet an einer katholischen Schule in Wien.

Und noch etwas haben die beiden so unterschiedlichen Frauen gemeinsam: Sie lehnen ein allgemeines Kopftuchverbot ab, wie beide bei einer Podiumsdiskussion im Bildungshaus Osttirol klar zum Ausdruck bringen. „Ich selbst habe die Freiheit, den Schleier zu tragen“, meint Mayrhofer. „Wenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, so muss sie diese Freiheit auch haben dürfen.“ Und Haneen meint, dass das Kopftuch nichts mit guter oder schlechter Integration zu tun habe. „Warum soll eine Muslimin ohne Kopftuch etwas dürfen, was ich mit Kopftuch nicht darf? Das ergibt keinen Sinn“, meint sie.

Das Kopftuch hätte sie fast ihre Lehrstelle gekostet, erzählt die junge Frau weiter. „Die Berufsschule wollte das nicht akzeptieren. Letztlich habe ich mich aber durchsetzen können.“

Im Publikum finden die Meinungen der Ordensfrau und der jungen Syrerin großteils Zustimmung. Nur ein Besucher mag sich damit nicht anfreunden. „Die Muslime müssen uns auch verstehen. Sie kommen zu uns in ein freies Land. Wie kann eine Frau mit Kopftuch in einem Lokal bedienen, das finde ich nicht richtig.“

Dennoch ist auch in Osttirol nicht alles eitel Wonne, was Integration und Zusammenleben betrifft. Josef Pretis, Direktor der Handelsakademie und Handelsschule, berichtet von Eltern, die ihre Töchter gerade einmal das neunte Schuljahr absolvieren ließen, um die Schulpflicht zu erfüllen. Danach sei Schluss gewesen. „Aber es gibt genauso muslimische Mädchen, die die Schule durchlaufen wie alle anderen Jugendlichen“, so Pretis.

„Meine Schülerinnen durften nicht mit zum Schwimm­unterricht, die Väter haben es verboten“, erzählt eine Lehrerin an einer Mittelschule. „Der islamische Religionslehrer hat dann mit den Vätern gesprochen, das hat geholfen“, berichtet sie. Eine andere Lehrerin meint: „Wenn erwachsene Frauen freiwillig Kopftuch tragen, soll das so sein. Aber ein Mädchen im Volksschulalter?“

Das geht auf keinen Fall, darin sind sich sowohl die Podiumsgäste als auch die Zuhörer einig. Haneen verweist auf ihre jüngere Schwester, die ebenfalls im Publikum saß. „Sie ist 16 und trägt kein Kopftuch.“

Was noch außer Frage steht: Eine Burka ist inakzeptabel. Auch das geplante Gesetz, wonach Richterinnen oder Polizistinnen im öffentlichen Raum kein Kopftuch tragen dürfen, findet weitgehend Zustimmung. Unstrittig ist außerdem, dass niemand eine Frau zum Kopftuch zwingen dürfe – weder ihr Mann noch die Familie.