Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.03.2017


Studie

Tirols Jugend mit Alkohol und Sorgen

Drei Viertel der Tiroler Jugendlichen machen sich laut einer aktuellen Studie häufig Sorgen. 36 Prozent trinken mehrmals im Monat Alkohol. Leistungsdruck ist einer der Gründe dafür.

Ein Drittel der befragten Jugendlichen trinken mehrmals im Monat Alkohol.

© iStockphotoEin Drittel der befragten Jugendlichen trinken mehrmals im Monat Alkohol.



Von Marco Witting

Innsbruck – Es sind alarmierende Zahlen, die der Verein sucht.hilfe BIN gestern in Innsbruck vorgelegt hat. Viele Tiroler Jugendliche neigen zu hochriskanten und selbstschädigenden Verhaltensweisen. Dahinter versteckt sich ein überdurchschnittlich hoher Alkoholkonsum. Und fast ein Drittel der befragten Tiroler Jugendlichen geben an, dass sie sich häufig Sorgen machen bzw. berichten von einer leichten Depression.

Dass die Jugendlichen in Tirol mehr als andere Altersgenossen trinken, das hat schon eine ähnliche (damals europaweit durchgeführte) Studie hervorgebracht. Auch die jetzt vorliegenden Ergebnisse einer Online-Befragung unter 1452 Tiroler Schülern (im Alter von 14 bis 17 Jahren) kommen zu diesem Schluss. Ein Drittel der Jugendlichen trinken mehrmals im Monat Alkohol. Ebenso viele gaben an, „normalerweise sechs oder mehr“ alkoholische Getränke zu konsumieren. 25 Prozent erklärten, auch schon „richtig betrunken“ gewesen zu sein. „Angesichts dessen müssen wir uns schon überlegen, ob rein präventive Maßnahmen und Aufklärung noch reichen“, erklärt Obmann Christian Haring. Er habe hier auch seine Meinung revidieren müssen: „Vielleicht braucht es nicht nur einen Appell an die Vernunft, sondern mehr, um die Jugendlichen in diesem Bereich zu schützen.“ Klar für den Primar: „Alkohol ist in unserer Gesellschaft zu präsent.“ Strengere Gesetze beim Jugendschutz waren damit gemeint. Etwas, das beim Rauchen (Stichwort Nichtraucherlokale) durchaus Erfolg gezeigt habe. Wobei Haring anmerkt: „Auch hier gibt es bekanntlich noch Luft nach oben.“ 2010 gaben 32 Prozent der Jugendlichen an zu rauchen. Jetzt waren es nur noch 24 Prozent. Auch die Zahl der gerauchten Zigaretten ging zurück. Fast die Hälfte der Schüler (sie kamen aus allen Schultypen) gaben an, noch niemals geraucht zu haben. 15 Prozent der rauchenden Jugendlichen konsumieren dagegen eine Packung Zigaretten oder mehr.

Doch es ist nicht nur die Suchtgefahr, die zum Problem wird. Drei Viertel machen sich häufig Sorgen. Fast ein Drittel berichtet in der Studie auch über eine zumindest leichte Depression. 25 Prozent haben sich laut Studie schon mehr als einmal absichtlich selbst verletzt. Jeder dritte Jugendliche, der den Fragebogen ausgefüllt hat, gab zudem an, schon einmal Gedanken an Suizid gehabt zu haben. 15 Prozent berichten diesbezüglich von konkreten Plänen. Fünf Prozent haben schon einen Suizidversuch hinter sich. Doch diese Zahlen liegen im Vergleich zu Restösterreich unter dem Durchschnitt. „Das sind sehr erschreckende Zahlen. Man muss aber auch sehen, dass es eine sehr stürmische Zeit für Jugendliche ist. Eine Zeit, in der sie vieles ausprobieren“, sagt Raphaela Banzer, Psychologin und BIN-Beraterin, die auf eine Vielzahl von Betreuungseinrichtungen hinweist, die Jugendlichen in schweren Zeiten helfen. Die meisten Schüler würden übrigens nach einer gewissen Zeit mit dem „riskanten Verhalten“ von selbst aufhören. Weil sie aus den eigenen Fehlern lernen oder sich neuen Interessen zuwenden, erklärt Banzer.

Viele Jugendliche gehen sogar so weit, dass sie sich selbst verletzen. Haring sieht angesichts der großen Zahl von Jugendlichen, die das mittlerweile machen, ein „normatives Verhalten“. Man müsse in der Gesundheits- und Präventionspolitik ein stärkeres Augenmerk auf die Jugendlichen legen. „Der Leistungsdruck ist sehr hoch.“ Hier liege oft der Kern des Problems. „Ein Erwachsener wird krankgeschrieben. Bei den Jugendlichen ist die Schule oft der Ort, wo sie Zeit verbringen müssen, während die Eltern der Arbeit nachgehen.“