Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.03.2017


Reutte

Stahlfesseln für „weiße Gefahr“

Gleich mehrere Schutzbaumaßnahmen an Bächen und Lawinenstrichen stehen heuer auf der Agenda der Wildbach im Außerfern. 15 Baustellen gilt es zu bewältigen.

Die Montage der Stahlschneebrücken (im Bild auf dem Hönig in Berwang) sind aufwendig – ihr Gewicht ist hoch, das Gelände schwer zugänglich.

© WLVDie Montage der Stahlschneebrücken (im Bild auf dem Hönig in Berwang) sind aufwendig – ihr Gewicht ist hoch, das Gelände schwer zugänglich.



Außerfern — Die Wintermonate wurden von den sechs Büro- und drei Bauhofmitarbeitern der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) Außerfern intensiv genutzt. Jetzt geht es auch für die 25 Baustellenmitarbeiter ans Eingemachte.

Insgesamt 15 Baustellen gilt es in den kommenden Monaten zu „beackern". Den Anfang machen diverse Bachverbauungen, wie etwa am Riegelbach in Lähn, am Lehbach in Vils, am Hirschbach in Höfen und am Höhenbach in Holzgau. „Wir beginnen jetzt an den Bächen, mit einsetzender Schneeschmelze und drohendem Hochwasser wird die Arbeit am Wasser schwierig. Dann geht es rauf zu den Lawinenverbauungen und im Herbst machen wir wieder herunten an den Bächen weiter", beschreibt Christian Ihrenberger, Gebietsbauleiter der Wildbach im Außerfern, den Jahreslauf.

Wie in den Vorjahren werden auch heuer wieder mehrere Millionen Euro in Schutzbauten investiert. Den finanziell größten Brocken verschlingt die Verbauung der „Arschberg"-Lawine in Namlos. Ein Ablenkdamm im Talbereich — 488 Meter lang und an der höchsten Stelle 17 Meter hoch — soll die Sicherheit der Namloser künftig gewährleisten.

Auch die Arbeiten für die Verbauung am Hönig werden heuer weitergeführt. Vier Jahre Arbeit wird die Lawinenverbauung am Berwanger Hausberg noch verschlingen, bis die „weiße Gefahr" endgültig gebannt ist. Auch am Heuberg in Häselgehr fallen heuer zahlreiche Arbeitsstunden für die WLV-Mitarbeiter an. Die 1955 errichtete Lawinenverbauung — damals die europaweit erste Stahlschneebrücken-Konstruktion zum Schutz von Siedlungsraum — ist in die Jahre gekommen und wird nach Bedarf auf den neuesten Stand gebracht.

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„Die logistische Planung einer Baustelle erfordert höchste Präzision", weiß Christian Ihrenberger aus langjähriger Erfahrung und fügt hinzu: „Je nach Gelände wird ein Forstweg als Zugangsweg gebaut. Reicht dieser aufgrund der Gegebenheiten nicht bis zur Baustelle, wird mit Hilfe eines Hubschraubers eine extra konzipierte Materialseilbahn aufgestellt, um den Materialtransport vom Lagerplatz hinauf zur Baustelle zu gewährleisten."

Insgesamt zehn Mitarbeiter werden pro Baustelle eingesetzt. Bei der Lawinenverbauung kommt ausschließlich Stahl zum Einsatz. „Unterstützend wir auch aufgeforstet. Das bringt zusätzlichen Schutz", erklärt Ihrenberger. Wenn erforderlich, werden vorab Versuchsanker gelegt, um zu testen, was das Gelände aushält und wie hoch die Belastbarkeit ist. (ce, fasi)

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