Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.03.2017


Innsbruck

Kindern eine Sprache schenken

Die Zwillinge Tobias und Marlene können sich verbal nicht mitteilen. Über einen PC, der mittels Augen­steuerung funktioniert, teilen sie ihre Gedanken mit. Bei der kleinen Marie hilft ein Tablet zu kommunizieren.

© Rudy De Moor / TTTobias hat seinen Computer mittels Augensteuerung im Griff. Die Eltern Markus Forster und Maria Erlacher sowie Schwester Marlene sind begeistert.



Von Denise Daum

Innsbruck, Zirl – Voller Konzentration schaut Tobias in seinen PC. „Ich heiße Tobias. Ich bin neun Jahre alt. Wie alt bist du?“, ertönt eine Computerstimme. Tobias strahlt. „Aber Tobi, eine Dame fragt man doch nicht, wie alt sie ist“, wirft Mama Maria augenzwinkernd ein. Tobias strahlt nun noch mehr und zeigt sein schönstes Lausbubenlächeln. Ein Hightech-Computer, der mittels Augensteuerung funktioniert, verleiht Tobi und seiner Zwillingsschwester Marlene eine Stimme. „Die beiden sind kognitiv super, können uns aber nicht verbal mitteilen, welche Gedanken sie haben. Es ist ein großartiges Mittel, damit sie sich selbstständig ausdrücken können“, erklären die Eltern Maria Erlacher und Markus Forster.

Mit ihren Augen können die Kinder zwischen mehreren Feldern wie „Meine Familie“ oder „Ich“ auswählen und so über sich erzählen. Eingegeben wurde das Ganze liebevoll von der Familie selbst – mit Unterstützung von Logopädin Elisabeth Mitterrutzner, die seit mehreren Jahren mit Tobi und Leni arbeitet und auch erstmals den PC mit ihnen ausprobierte.

Die technischen Hilfsmittel zur Kommunikation haben für die Familie eine neue Welt eröffnet: „So haben unsere Kinder auch die Möglichkeit, am Unterricht aktiv teilzunehmen und Hausaufgaben oder sogar die Ansage in der Schule mitzuschreiben“, erklärt Papa Markus Forster.

Marlene kann mithilfe des Computers von ihrem Leben erzählen und ihre Familie vorstellen. Das Gerät kostet 16.000 Euro.
- Rudy De Moor / TT

Ein Computer kostet 16.000 Euro, Anspruch auf ein derartiges Hilfsmittel gibt es nicht. Initiiert wurde die Finanzierung von der Dorfgemeinschaft und auch von vielen Menschen außerhalb des Dorfes unterstützt. „Wir sind unglaublich dankbar und berührt über diese große Hilfsbereitschaft!“, sagen die Eltern.

Auch bei Marie aus Zirl hilft ein Computer bei der Kommunikation. Die 5-Jährige hat durch eine Entwicklungsverzögerung geistige und sprachliche Defizite. Mittels Tablet und Kommunikations-App kann Marie ihrer Mama vom Kindergarten oder den Therapiestunden berichten. Geschickt bedient die Kleine das Tablet, ihre Fingerchen flitzen über den Touchscreen. Für Mama Angelika Norz und Marie ist das technische Hilfsmittel sehr wertvoll. „Wenn ich Marie früher manchmal nicht verstanden habe, war das für sie unglaublich frustrierend. Nun holen wir das Tablet und sie zeigt mir anhand von Bildern und Wortbausteinen, was sie sagen möchte“, erklärt Norz und nimmt so aktiv an den Erlebnissen ihrer Tochter teil.

Logopädin Elisabeth Mitterrutzner und die kleine Marie arbeiten mit dem Tablet, das bei der Kommunikation hilft.
- Denise Daum

Das Tablet, das immer dabei ist, wird auch als Lernmittel eingesetzt. Die Therapiestunden und Unternehmungen im Alltag werden auf Video festgehalten. Daheim kann Marie sich das Erlebte nochmals ansehen und lernt durch die Wiederholungen.

Die Betreuung von Familie Norz erfolgt ebenfalls über Elisabeth Mitterrutzner. Sie leitet die Beratungsstelle LIFEtool Tirol, die im Elisabethinum in Axams angesiedelt ist. Es handelt sich um das einzige kostenlose Angebot in Tirol, das Menschen, die nicht oder stark eingeschränkt kommunzieren können, beim Einsatz von Hilfsmitteln berät. Mehr Information unter www.lifetool.at.