Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.03.2017


Bezirk Kufstein

Ein winziger Pilz wird zum großen Problem

Das Eschensterben breitet sich im Bezirk immer mehr aus. Die kranken Bäume werden zur Gefahr für Autos und Fußgänger.

© Otter



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Das falsche weiße Stengelbecherchen setzt dem Eschenbestand in Europa und damit auch in Tirol schwer zu. Und dabei bildet der Bezirk Kufstein keine Ausnahme. Hier wütet der mikroskopisch kleine Übeltäter, auch Hymenoscyphus fraxineus genannt, sogar ganz besonders verheerend. Die Krankheit wurde vermutlich aus Nordost-Asien eingeschleppt, wie der Internetseite des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft, kurz BFW, sowie des Bundesamts für Wald zu entnehmen ist. Über Osteuropa breitete sich der Mikropilz immer mehr aus und ist vor knapp zwei Jahren auch bei uns angelangt, wie Hans-Peter Schroll, Leiter der Bezirksforstinspektion Kufstein, bestätigt.

Da durch die Erkrankung die Standfestigkeit der Bäume gefährdet ist sowie Äste abbrechen und auf den Boden fallen, muss die Behörde besonders entlang der Straßen und Gehwege reagieren. Zahlreiche Bäume sind bereits oder werden noch gefällt. So auch kommende Woche entlang der B175 im Abschnitt zwischen dem Kreisverkehr und dem Ortsende von Kufstein.

„Es drohen hier Bäume auf die Fahrbahn und den Gehweg zu fallen“, erklärt Erwin Obermaier, Chef des Baubezirksamtes Kufstein, die Gefahrensituation. Die meisten der rund 40 pilzbefallenen Eschen werden entlang des Gehweges (stadtauswärts in Richtung Ebbs entlang der rechten Fahrbahn) fallen. „Es wird daher kommende Woche auf der Straße von Montag bis Mittwoch mit kurzen Verkehrsanhaltungen zu rechnen sein“, bittet der Straßenmeister Johann Ehrensberger die Autofahrer um Verständnis.

Derzeit werden die Eschenbestände im Bezirk Kufstein genau beobachtet. Zahlreiche Bäume mussten auch bereits in Niederndorf gefällt werden. Nicht anders am Kufsteiner Kalvarienberg, wo die Stadt an die 30 kleine und große Eschen fällen muss. Es werden aber wieder Bäume nachgepflanzt.

Fast alle Straßen- und Gehwegerhalter müssen derzeit den Baumbestand genau im Auge behalten. Das Fatale: Die Esche ist bei uns eine der häufigsten Laubbaumarten, wie Schroll berichtet. Daher seien im Bezirk derart viele Bäume betroffen. Experten rechnen damit, dass lediglich knapp drei Prozent aller Eschen überleben.

Daher wurde vom BFW sowie dem Bundesamt für Wald das Projekt „Esche in Not“ ins Leben gerufen. Hintergrund: Wie sich zeigte, gibt es einzelne Bäume, die eine Resistenz gegen den Pilz entwickeln. Da diese Widerstandsfähigkeit nach neuesten Studien in hohem Maße weitervererbt wird, versucht man eine resistente Eschenart zu züchten. Dazu sucht man gesunde Bäume in ganz Österreich, um damit eine Saatgutplantage anzulegen. „Sehr viele Eschen haben wir dafür aber im Bezirk nicht gefunden“, erzählt Hans-Peter Schroll.

- Otter